Hermann Geist

Letzte Ruhestätte von Hermann Geist im Würzburger Waldfriedhof

Hermann Geist - Künstlername Wolkengeist - (* 29. Juli 1939 in Würzburg; † 11. Juli 2012 ebenda) war Dichter, Musiker, Architekt und Querdenker.

Leben und WirkenBearbeiten

Sein Vater – er war selbstständiger Schuster mit einem Geschäft in der Hofstraße – ließ ihn schon als Kind im Alter von 7 Jahren Akkordeon lernen. Er entdeckte seine musische Begabung. Für ein paar handgearbeitete Stiefel kaufte er Hermann ein Klavier. In Würzburg am 16. März 1945 ausgebombt zog die Familie nach Neubrunn. Um das Leben kennenzulernen und um der Enge Würzburgs zu entfliehen, machte sich Geist nach Lehre und nicht beendetem Klavierstudium auf den Weg, Europa zu entdecken. Mit Gelegenheitsjobs und Musik verdiente er seinen Lebensunterhalt. 1967 heiratete er zum ersten Mal und wurde Vater. Um seine Familie über Wasser zu halten fing er an, in Würzburg Architektur zu studieren. Die Ehe zerbrach.

Nach dem Studium arbeitete der „(Frei)Geist“ zwischen 1974 und 1976 für das Würzburger Stadtplanungsamt, ein Job, der ihn nicht wirklich ausfüllte, da eine starre Arbeitszeit nichts für ihn war. Danach eröffnete er ein Architekturbüro, das allerdings nie so richtig in die Gänge kam.

In den 1970er und 1980er Jahren trat er mit Jazz in US-Army-Clubs auf und spielte in ganz Süddeutschland Rockjazz und „Fränkisch Blues“ in Gruppen wie „Kubpian“, „Kubus“, „Wolke“ und „Wolkengeist“. Die meist avantgardistische Musik komponierte und textete er selbst. 1982 brachte er mit seiner Band „Wolkengeist“ eine eigene Langspielplatte heraus: „Regenbogen“.

In den 1980er Jahren kaufte Hermann Geist in Roßbrunn am Aalbach die marode Zehntscheune für wenig Geld. Er versuchte sie in Handarbeit zu sanieren und wollte künftig dort wohnen. Die Sanierung wurde aber nicht vollendet. Das Projekt selbst kostete ihn Geld und Schweiß, der Erfolg stellte sich aber nicht ein. Für die Nachbarn und Anwohner war es eine schöne Zeit mit vielen romantischen Feiern in dem alten Gemäuer und Musik vom „Wolkengeist“.

Anfang der 1990er Jahre zog er nach Thüngersheim und er wollte den Ort, wo seine Mutter ein Einfamilienhaus hatte und er leben konnte, kulturell beleben. Die Werkstatt-Galerie wurde ins Leben gerufen und Veranstaltungen und Vernissagen organisiert. Doch auch dieses Projekt war nur vorübergehend und kostet Geist am Ende sogar das Elternhaus.

2005 machte Geist mit einem Mahnmal auf den Mainwiesen tagelang auf den Tod von 14 mächtigen Bäumen aufmerksam. Trotz der Begründung „morsch“ ließ er sich nicht beirren und nahm die Aktion persönlich. Mit Holzkreuzen machte er auf die gefällten Bäume aufmerksam.

Zur Fußball-WM in Deutschland im Jahr 2006 dichte „Wolkengeist“ eine Hymne für die ghanaische Nationalmannschaft, die in Würzburg untergebracht war. Noch heute findet man das Lied bei den Internet-Videos und selbst ein Drehteam des privaten Fernsehsenders Sat 1 machte sich auf den Weg in die Domstadt. Im selben Jahr sammelte Hermann Geist 400 Unterschriften gegen ein Geländer am Kranenkai, das gerade gebaut wurde und für viel Ärger in der Bürgerschaft sorgt. Er übergab sie Oberbürgermeisterin Pia Beckmann und wandte sich damit „gegen die Einzäunung des Mains“.

2012 erzielte er einen Erfolg: Sein Gedicht zum Thema „Erde“ fand beim Autorenwettbewerk der Brentano-Gesellschaft Beachtung und wurde in einem Band für Lyrik und Poesie der Gegenwart abgedruckt.

Nach einem betreuten Aufenthalt in einem Pflegeheim in Marktbreit wohnte zuletzt im Seniorenheim Hueberspflege des Bürgerspitals und hatte gesundheitliche Probleme. Seine letzte Ruhestätte fand er im Würzburger Waldfriedhof.

WerkeBearbeiten

  • Herman Wolkengeist: Inka / Frust (Vinyl-Single, Veröffentlichung 1981)
  • Herman Wolkengeist: Regenbogen 1 (Vinyl-LP, aufgenommen im Tonstudio P.A.S. audio Technik in Mönchsondheim/Unterfranken von Manfred Radtke, Veröffentlichung 1982)

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Zuletzt geändert am 8. Februar 2017 um 19:32