Balthasar Neumann

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Balthasar Neumann, Darstellung von Marcus Friedrich Kleinert (1727)
Balthasar Neumann auf dem 50-DM-Schein Vorderseite (vierte Serie ab 1991(BBk IV))
Gedenktafel in der Würzburger Theaterstraße
Ehemaliges Wohnhaus Hof Ober-Frankfurt in der Franziskanergasse 2

Johann Balthasar Neumann (* 27. Januar 1687 in Eger; † 19. August 1753 in Würzburg) war ein bedeutender Baumeister des Barock und Rokoko. In Würzburg schuf er unter anderem die Residenz und das Käppele.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Balthasar Neumann wurde als siebtes Kind des Tuchmachers Hans Christoph Neumann geboren. Sein Pate, der Stück- und Glockengießer Balthasar Platzer, erkannte früh das handwerklich-technische Talent des Jungen und nahm ihn in die Lehre. Nach Neumanns Wanderschaft als Geselle blieb er in Würzburg, wo er in der Gießhütte von Ignaz Kopp tätig war. Die Begegnung mit dem Ingenieurhauptmann und Architekten Andreas Müller wird für Neumann zum bestimmenden Schicksal. Müller erkannte das Talent des jungen Böhmen und veranlasste ihn ab 1712 Studien in Geometrie, Feldmesserei und Architektur aufzunehmen. 1714 trat Neumann als Fähnrich in den Dienst des Hochstifts Würzburg, nahm an der Eroberung Belgrads teil und wurde zum Ingenieurhauptmann ernannt. 1715 zeichnete Neumann einen Plan der Stadt Würzburg, der ihm später bei der geplanten Umwandlung und Verschönerung des Stadtbildes zur „Generalstabskarte“ werden sollte. 1719 errichtete er sich ein kleines Wohnhaus in der Burkarderstraße.

Als 1719 Johann Philipp Franz von Schönborn Fürstbischof wurde, plante dieser, seinen Sitz von der Festung in die Stadt zu verlegen. Der neue Fürstbischof erkannte das Talent Neumanns und beauftragte ihn mit Planungen der Residenz und weiterer baulicher Umgestaltungen in der Stadt. Bereits im Mai 1720 wurde der Grundstein des bedeutenden Schlossbaus der damaligen Zeit gelegt. Während die Residenz entstand, reifte Neumann zum bedeutenden Baukünstler. Er errichtete sich auch ein neues stattliches Wohnhaus in der Kapuzinerstraße, zog wenig später aber in den Hof Oberfrankfurt in der Franziskanergasse 2 um. Dort ließ er später die „Neumannkanzel“ erbauen: Eine erhöht auf dem Dach angebrachte Aussichtskanzel mit schmiedeeisernem Geländer, die es ihm erlaubte, seine Würzburger Baustellen zu überblicken. Sie überstand den Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 und ist heute noch auf dem Gebäude zu sehen.

Als der Bau der Residenz 1723 im Grundriss festgelegt war, fand sich Zeit und Gelegenheit, Neumann auf eine Bildungsreise zu schicken. Zum Schluss dieser Reise kam er nach Paris um dort die Pläne der werdenden Residenz mit den führenden Architekten Robert de Cotte [1] und Germain Boffrand [2] zu besprechen. De Cotte schlug Neumann ein asymmetrisches Treppenhaus vor; Neumann selbst hatte dagegen ein vollkommen spiegelbildliches Doppel-Treppenhaus geplant mit den Aufgängen rechts und links der Einfahrt, des Vestibüls. Mit Germain Boffrand entwickelte Neumann in Paris seine Ideen von einem großzügigen Treppenhaus weiter, das ihn später berühmt machen sollte. [3]

1724 wurde Neumann zum fürstlichen Artilleriemajor befördert. Im selben Jahr starb Johann Philipp Franz und das Domkapitel wählte Christoph Franz von Hutten zum Fürstbischof, einen frommen, bescheidenen und sparsamen Mann, der sowohl den Weiterbau der Residenz als auch der Schönbornkapelle stoppte und Neumann von seinen Aufgaben in der Stadtbaukommision entband.

1725 heiratete er Eva Maria Schild. Da sie Tochter eines Geheimen Rates aus Würzburg war, verbesserte Neumann damit auch seine Beziehungen zu den einflussreichen Familien des Hochstifts.

Nachdem Neumann seine Tätigkeiten in Würzburg verloren hatte, plante und errichtete Bauwerke verschiedenster Art außerhalb der Stadt. Er war gleichermaßen im Schlossbau (Bruchsal), im Kirchenbau (Münsterschwarzach und Wiesentheid), im bürgerlichen Bauwesen, der Militärarchitektur und der Stadtplanung tätig. Anlässlich des Besuches der Erzherzogin Elisabeth von Österreich im September 1725 komponierte er ein festliches Feuerwerk und und ließ für eine Wasserjagd auch künstliche Inseln auf dem Main errichten. [4] Nachdem 1729 das Amt des Fürstbischofs auf Friedrich Karl von Schönborn übergegangen war, der Neumanns Baukunst sehr zu schätzen wusste, ernannte er Neumann zum Baudirektor für das gesamte militärische, kirchliche und zivile Bauwesen der beiden Hochstifte Würzburg und Bamberg.

1741 wurde er schließlich Obrigster der fränkischen Kreisartillerie. Im Zentrum seiner baulichen Tätigkeit stand weiterhin die Residenz. Darüber hinaus führt er die Aufsicht über zahlreiche Bauten der Hochstifte Würzburg und Bamberg (Festungen, Kirchenbauten, Straßen, Schlösser…). Auch lagen städtebauliche Planungen in seinem Aufgabenbereich. Er wirkte als Lehrer für Militär- und Zivilarchitektur an der Universität Würzburg, betrieb eine Glashütte und eine Spiegelschleiferei. Daneben begab er sich auf zahlreiche Reisen. Der Rohbau der Residenz kam derweil zur Vollendung, 1744 wurde das Richtfest begangen.

Als Friedrich Karl von Schönborn 1749 starb, war der Bau der Residenz noch nicht vollendet. Sein Nachfolger im Amt des Fürstbischofs wurde Anselm Franz von Ingelheim. Dieser hatte nur wenig künstlerisches Interesse und entließ alle Künstler des Hofes. Auch Balthasar Neumann musste seine Stelle als Baudirektor verlassen. Nach nur siebzehn Monaten Regierungszeit verstarb Anselm Franz von Ingelheim. Sein Nachfolger Karl Philipp von Greiffenclau setzte Neumann wieder als Oberbaudirektor von Würzburg ein. In die Zeit von 1749 bis 1754 fallen die Höhepunkte der Innenausstattung der Residenz, unter anderem die Werke von Giovanni Battista Tiepolo (Treppenhaus mit dem größten zusammenhängenden Deckenfresko der Welt, Kaisersaal, Hofkirche), Antonio Bossi (Kaisersaal, Gartensaal) und Johann Zick 1750 (Gartensaal). Balthasar Neumann erlebte die Ausgestaltung und Fertigstellung des Treppenhauses noch weitgehend mit, starb aber kurz darauf.

Balthasar Neumann erlangte großen Ruhm als Baukünstler, weit über die Landesgrenzen hinaus. Er verstarb 1753 und wurde in der Marienkapelle bestattet.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Balthasar Neumanns ältester Sohn Franz Ignaz von Neumann. war ebenfalls als Architekt in Würzburg tätig. Sein Sohn Valentin Franz Stanislaus schlug die geistliche Laufbahn ein.

Werke[Bearbeiten]

Einige der bedeutenden Werke Balthasar Neumanns in Stadt und Landkreis Würzburg:

Stadt Würzburg:

Landkreis:

Namenspatenschaften[Bearbeiten]

In Stadt und Landkreis Würzburg sind/waren nach Balthasar Neumann benannt:

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

DBP 1961 Balthasar Neumann.jpg
DBP 1987 1307 Balthasar Neumann Würzburger Residenz.jpg
  • Auf einem 50 DM-Schein befindet sich ein Balthasar Neumann-Bildnis von Marcus Friedrich Kleinert aus Nürnberg. Es zeigt den älteren Neumann mit großer Perücke und Brustharnisch.
  • Die Deutsche Bundespost brachte 1961 eine 25-Pfennig-Briefmarke in ihrer Reihe Bedeutende Deutsche mit dem Konterfei von Balthasar Neumann heraus und 1987 zum 300. Geburtstag des Baumeisters ein Postwertzeichen über 80 Pfennig mit dem Treppenhaus der Residenz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zu Robert de Cotte bei Wikipedia [1].
  2. Nähere Informationen zu Germain Boffrand bei Wikipedia [2].
  3. Richard Sedlmaier und Rudolf Pfister: Die fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg. Teil 1: Textband. Georg Müller Verlag, München 1923, S. 28 ff. (Digitalisat bei archive.org)
  4. Klaus Hinrich Stahmer: Musik in der Residenz. Würzburger Hofmusik, Stürtz-Verlag, Würzburg 1983, S. 39-45