CSD Würzburg
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[Bearbeiten] Geschichte des Christopher Street Days (CSD)
Es begann wie eine Routine-Razzia - an jenem 27. Juni 1969:
In den 60er Jahren kam es in New York und anderen Städten immer wieder zu Razzien in Schwulenlokalen. Dabei wurde die Identität der Besucher des Lokals festgestellt (und bisweilen öffentlich gemacht) und es kam zu Verhaftungen und Anklagen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Am 27. Juni 1969 fand eine solche Razzia in der Szene-Bar „Stonewall Inn”, die an diesem Abend auch von zahlreichen Transvestiten und Drag Queens besucht war, statt. An diesem Tag sollen sich nicht zuletzt deswegen besonders viele Schwule in New York aufgehalten haben, weil zuvor die Beerdigung eines Schwulenidols stattgefunden hatte, der Schauspielerin Judy Garland. Die Besucher des "Stonewall Inn" jedenfalls ließen sich das Vorgehen der Polizei nicht mehr gefallen. Auf einmal, so eine der zahlreichen Legenden, flog eine Flasche, dann prasselten Fäuste, Gläser und Handtascheninhalte auf die Cops hernieder. Die jahrelang aufgestaute Wut schlug ihnen massiv entgegen. Die Staatsgewalt war so überrascht, dass ihr zunächst nichts anderes übrig blieb, als sich in der mittlerweile leeren Bar zu verschanzen. Die Gäste, die sich ihrer Verhaftung entzogen hatten und auf der Straße standen, stürmten mit einer Parkuhr als Rammbock die Türen des „Stonewall Inn”. Auch als das Spezial-Einsatzkommando der Polizei eintraf, waren die aufgebrachten Homos nicht in die Flucht zu schlagen – im Gegenteil.
Die Ereignisse führten zu einer breiten Solidarisierung im New Yorker Schwulenviertel und auch in den Folgetagen wurde den inzwischen verstärkten Polizeitruppen erfolgreich Widerstand geleistet. Erst nach fünf Tagen beruhigte sich die Situation.
Seit diesen Tagen gewann die Lesben- und Schwulenbewegung an Bedeutung, sprang der Funke der „gayliberation” von New York aus über auf die ganze USA, auf Südamerika, Europa und Australien.
[Bearbeiten] Christopher Street Day - Aktuell
In vielen großen und kleinen Städten in unserer Republik sowie weltweit wird ab Juni mit dem Christopher Street Day diesem Tag – dem 27. Juni 1969 – gedacht.
Mit Paraden und Straßenfesten gehen Schwule und Lesben auf die Straße. Die Inhalte waren und sind jeweils die aktuellen politischen Themen und Forderungen (Abschaffung des § 175, rechtliche Gleichstellung, „Homoehe” u.a.) sowie mehr und mehr der Spaß an der Selbstdarstellung – für viele auch ein wichtiger Schritt in ihrem Coming Out.
[Bearbeiten] Christopher Street Day - Regional
Die Feiern der heutigen CSDs wären ohne die jahrzehntelangen Emanzipationsarbeiten der Schwulengruppen vor Ort kaum vorstellbar. In Wüzburg gründete sich bereits 1972 die Würzburger Homosexuelle Studenteninitiative WüHSt, die bis 1998 – ähnlich wie die politisch arbeitenden Schwulengruppen in anderen Städten – durch intensive Öffentlichkeitsarbeit den Boden für die Möglichkeit der Veranstaltung der heutigen CSDs bereitet hat.Den ersten größeren Schritt in die Richtung eines CSDs in der Würzburger Öffentlichkeit gingen 1997 die Würzburger Schwulengruppe WüHSt und das WuF-Zentrum. Es war zwar ein kleines, dennoch feines Häuflein an vorzugsweise Schwulen, das mit einer „CSD-Promenade”, also einem Spaziergang durch die Würzburger Innenstadt mit Regenbogenfahnen auf sich aufmerksam machte.
Der „CSD 1997 in Mainfranken – Würzburger unterm Regenbogen” war auch die Geburtsstunde des ersten „Internetauftrittes” von Schwulen und Lesben in Würzburg mit wuerzburg.gay-web.de.
Im Jahre 2001 folgte rund um den Vierröhrenbrunnen das „Fest der Partnerschaften”. Dieses Fest erhob allerdings nicht den Anspruch eines CSDs, sondern war Ausdruck und Protest gegen die Blockadepolitik der unionsgeführten Bundesländer – allen voran Bayern – gegenüber dem von der rot-günen Regierung eingeführten Lebenspartnerschaftsgesetz. Das Ausführungsgesetz, welches das Bundesverfassungsgericht den einzelnen Bundesländern zugesprochen hatte, wurde von der CSU provokativ verzögert und erst Ende des Jahres 2001 umgesetzt mit dem Resultat, dass das Standesamt den Schwulen und Lesben in Bayern (und anderen unionsgeführten Bundesländern) nach wie vor verschlossen ist.
Den ersten großen CSD in Würzburg unter dem Motto „Andersrum ist nicht verkehrt” wagten 2002 die Junx4You, bei dem nicht nur Schwule und Lesben feierten und tanzten, sondern unter anderem auch die 3. Bürgermeisterin der Stadt Würzburg Marion Schäfer (SPD). Bei diesem CSD ließen auch Parteien und Verbände sowie Schwulen- und Lesbengruppen nicht die Gelegenheit aus, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren.Es folgten der jetzt unter der Trägerschaft des Toleranz Fabrik e.V. organisierte Christopher Street Day 2003 „Würzburg erlebt Toleranz. Jetzt.” und der CSD 2004 „1300 Jahre Würzburg – 100% Gleichstellung”, beide auf dem Unteren Markt. Und natürlich dürfen die Partys rund um den CSD in Würzburg nicht vergessen werden.
Dann kam der CSD 2005 in Würzburg unter dem Motto „Traut Euch!”. Das Motto wurde um die Brisanz verschärft, dass die konservative Mehrheit des Würzburger Stadtrates vorher erneut die Öffnung des Trausaales für heiratswillige schwule und lesbische Pärchen abgelehnt hatte. Aus der geplanten Parade wurde ein kämpferischer Demonstrationszug mit viel Politprominenz an der Spitze. Der 1. schwul-lesbische Demonstrationszug in Würzburg. Eine Premiere. Aber der CSD 2005 konnte mit noch weiteren Premieren aufwarten: Zum ersten Mal in der Geschichte Würzburgs hingen vor dem Hauptbahnhof und Congress-Centrum und am Unteren Markt schwul-lesbische Fahnen und zum ersten Mal fand im Congress-Centrum Würzburg mit der CSD-After-Show-Party eine schwul-lesbische Veranstaltung statt. Vier Tage „Say it loud – gay and proud” in Würzburg.
Für den CSD 2006 in Würzburg hatte die Toleranz Fabrik e.V. als Trägerverein das Motto „Wir sind Würzburg.” ausgegeben. Das Straßenfest fand im Schatten des St. Kilian-Doms auf dem Paradeplatz statt und erhielt – ebenso wie der Demonstrationszug durch die Innenstadt – wesentlich weniger Zuspruch der Gay Community wie 2005. Dies könnte daran gelegen haben, dass die ortsansässigen schwulen und lesbischen Vereine und Gruppen weder an den Vorbereitungen noch an der Durchführung des CSDs beteiligt waren. Wir sind Würzburg?„total normal!” lautete das Motto des CSD 2007 in Würzburg. Der Demonstrationszug durch die Würzburger Innenstadt war bunt und hatte wieder mehr Zulauf wie im Jahr zuvor. Leider gab es beim Straßenfest eine drastisch verkleinerte Bühne und so gut wie kein Programm. Trotzdem war es gemütlich und alles was Rang und Namen hatte, befand sich auf den Beinen. Parallel zum CSD feierte das schwulesbische Zentrum WuF „35 Jahre Schwulenbewegung in Würzburg”.
„TRAUSAAL 2008 - Für Gerechtigkeit. Für Akzeptanz.” Unter diesem Motto feierten die Würzburger Schwulen und Lesben den CSD 2008. Und zum Feiern gab es Grund genug: Am 24. Juli hatte der Würzburger Stadtrat mit einer breiten Mehrheit die Öffnung des Trausaals zur Eintragung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften beschlossen. Die Hartnäckigkeit der Toleranz Fabrik seit Jahren immer wieder diese Öffnung zu fordern, hatte sich nun bezahlt gemacht.Premiere: Als erstes Stadtoberhaupt Würzburgs hatte der im März neu gewählte Georg Rosenthal (SPD) die Schirmherrschaft für den CSD Würzburg übernommen. Als prominenten Gast beim diesjährigen CSD konnte die Toleranz Fabrik den 1. Parlamentarischen Geschäftsführer der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Volker Beck begrüßen.
„Ardiggl drei - mier komme nei!” war das Motto des CSD 2009 in Würzburg. Beim Demonstrationszug am Nachmittag konnten etwa 600 Teilnehmer gezählt werden, die mit dem Lärm hunderter Trillerpfeifen die Forderung des CSD nach einer Ergänzung des Gleichheitsartikels des Grundgesetzes um die sexuelle Identität unterstützten. Auf dem anschließenden Straßenfest auf der Alten Mainbrücke und Vierröhrenbrunnen haben bis in die Abendstunden die Besucher ein interessantes Programm verfolgt und bei herrlichen Wetter die bezaubernde Kulisse der Alten Mainbrücke genossen.
Das Straßenfest des CSD 2010 fand am 31. Juli 2010 unter dem Motto „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich! - Wirklich alle?!” auf dem Unteren Markt statt. Ein breites Rahmenprogramm ergänzte das Straßenfest. Oberbürgermeister Georg Rosenthal hatte auch in diesem Jahr in seiner Funktion als Stadtoberhaupt der Europastadt Würzburg und Schirmherr des CSD die politische Eröffnung des CSD am Freitag, 30. Juli im Wappensaal des Rathauses übernommen. Politischer Gastredner war Florian Pronold, MdB und Landesvorsitzender der SPD Bayern.Der Demonstrationszug am Samstagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein durch die Würzburger Innenstadt hatte in diesem Jahr nicht so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie im letzten Jahr. Auch glänzte ein Großteil der Würzburger Politprominenz durch Abwesenheit. Das lässt Fragen offen.
Beim Straßenfest waren viele Parteien durch Infostände vertreten. Auch das schwulesbische Zentrum WuF und die dort beheimateten Gruppen präsentierten sich der Öffentlichkeit ebenso wie die AIDS-Beratungsstelle Unterfranken der Caritas.

