Domherrnhöfe in Würzburg
Domherrnhöfe (Kurien der Domherren) waren einst die Anwesen der Domherrn und Domicellare des Hochstifts Würzburg. In den Anfängen des Bistums wohnten die Geistlichen der Bischofskirche noch gemeinsam am Bruderhof. Ab ca. 1200 ließen dann die Domherren, die alle dem Ritteradel angehörten, ihre eigenen Anwesen im Umkreis des Doms errichten.
Die stattlichen und große Flächen umfassenden Gebäudekomplexe waren prachtvoll ausgestattet. Meist waren im Erdgeschoss Ställe und Dienstbotenkammern untergebracht, im oberen Stockwerk die Wohn- und Empfangsräume der Domherren sowie die Hauskapelle. Im Zuge der Säkularisation wurden fast alle Höfe an Laien übertragen. Lediglich der Marmelsteiner Hof blieb Eigentum des bischöflichen Domkapitels.[1] Auf Grund von Kriegszerstörungen, aber auch (städte-)baulichen Veränderungen, ist nur ein Teil der Höfe erhalten. Einzelne Höfe wurden nach 1945 entsprechend der Originalbauten wiedererrichtet.
Die folgende Auflistung der Kurien orientiert sich an den Ausführungen Jörg Lusins in "Die Baugeschichte der Würzburger Domherrnhöfe". Die Abfolge entspricht der graphischen Übersicht.
[Bearbeiten] Kurie ad St. Gallum, heute Guttenbergpalais
- Weitere Namen: Kurie vor der Roten Tür
- Adresse: Kardinal-Döpfner-Platz 1; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 572; Herrngasse 1 (bis 1977)
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofgebäude
Der städtebaulich bedeutsame Hof entstand um 1710 und war lange Eigentum der Reichsfreiherren von und zu Guttenberg. Der Wiederaufbau wurde 1954 abgeschlossen.
[Bearbeiten] Kurie Conti, heute Hof Conti
- Weitere Namen: Kolbonis, Reinach'scher Hof, Bischöfliches Palais
- Adresse: Kardinal-Döpfner-Platz 5; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 576; Herrngasse 6 (bis 1977)
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofgebäude
Den Hof ließ Julius Ludwig Echter (Neffe des Bischofs) in den Jahren 1588-1609 als zweiflügligen Renaissancebau errichten[2]. Er diente zunächst als Wohnung der Domkapitulare, ab 1821 als Bischofssitz und wurde 1945 im Krieg zerstört. Nach der Rekonstruktion ist der Hof Conti seit 2004 wieder Sitz des Bischofs von Würzburg[3].
[Bearbeiten] Kurie Maßbach, heute Hof Maßbach
- Weitere Namen: Bamberger Hof, Stauffenberghof; weitere Schreibweise: Maspach
- Adresse: Kardinal-Döpfner-Platz 3; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 575; Herrngasse 8 (bis 1977)
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofgebäude
[Bearbeiten] Kurie Uissigheim
- Weitere Namen: Hirschhorn; weitere Schreibweise: Vssecheim, Ussenkeim, Vzzenkein, Ussigheim
- Adresse: Kardinal-Döpfner-Platz 6/7, Spiegelstraße 2-10; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 577; Herrngasse 4/Lochgasse 12/Spiegelstraße/Domerpfarrgasse 5
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Gartenpavillon (Spiegelstraße)
[Bearbeiten] Kurie Weinsberg
- Weitere Namen: Fürstlich-Leyischer Hof, Palais Thüngen; weitere Schreibweise: Winsperg
- Adresse: Kardinal-Döpfner-Platz 8/9; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 578; Herrngasse 2/Domerpfarrgasse 1
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Torhaus
Empire-Stil. Das Torhaus (1796 von Gärtner errichtet) blieb nach dem 2. Weltkrieg erhalten und wurde 1962 wieder hergestellt. Das übrige Gebäude abgerissen und neue Kubusbauen als Wohnanlage für Domvikare errichtet.
[Bearbeiten] Kurie Rannenberg
- Weitere Namen: Bernonis, Harmonie, Größerer Guttenberg'scher Hof
- Adresse: Hofstraße 3; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 579
- Heutiges Gebäude: Neubau ohne alte Bausubstanz
Das Gebäude ist unter dem Namen "Harmonie" bekannt, da es ab 1824 der Harmonie-Gesellschaft als Domizil diente. Der vordere Teil des Gebäudekomplexes wurde nach 1945 in Anlehnung an das ursprüngliche Bauwerk neu errichtet. Anschließend befand sich dort die Städtische Galerie bis zu ihrem Umzug in den Kulturspeicher.
[Bearbeiten] Kurie Osternach
- Adresse: Hofstraße 5; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 580 und 580 1/2; zeitweise Hofstraße 5+7
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofportal (Oberteil)
[Bearbeiten] Kurie Kugelberg
- Weitere Namen: Markgrafenhof, Brandenburgerhof, Bischofshof, Münzhof; weitere Schreibweisen: Kaulenberg, Culenberg, Kullenberg, Kugelnberg, Cuglenberch
- Adresse: Domerpfarrgasse 4/6/8; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 597/598/581
- Nicht mehr vorhanden
[Bearbeiten] Kurie Altlobdeburg
- Weitere Namen: Lobdeburg
- Adresse: Domerpfarrgasse 2, Hofstraße 9/11; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 599
- Noch vorhandene / wieder erstellte Bauplastik: Wappen mit Putten und Hausmadonna
[Bearbeiten] Kurie Katzenwicker
- Weitere Namen: curia iuxta Katzenwichus; weitere Schreibweisen: Katzenwikols, Katzenwinkhaus, Katzenwichus, Katzenweikard, Katzenweiker, Katzenwecker
- Frühere Adressbezeichnung: Distrikt II, Nr. 600
- Nicht mehr vorhanden
Der Katzenwicker war der größte der Domherrenhöfe und ehemals Eigentum Kaiser Friedrich Barbarossas. Er wurde in den 1850er Jahren abgerissen, es entstand auf dem Gelände unter anderem die Maxstraße als Zufahrtsstraße zum Ludwigsbahnhof und die anliegende Maxschule (Standort des ehemaligen Mozart-Gymnasiums).[4] Innerhalb der ersten Stadtbefestigung (Bischofshut) bildete der Katzenwickerhof die Spitze des Fünfecks.
[Bearbeiten] Kurie Neulobdeburg, heute Würtzburg-Hof
- Adresse: Hofstraße 10;Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 44
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofgebäude
[Bearbeiten] Kurie Schrotzberg
- Weitere Namen: Zobelhof
- Adresse: Bibrastraße 3/5; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 46; Domerpfaffengasse 3/5 (bis 1902)
- Nicht mehr vorhanden
[Bearbeiten] Kurie Stubwege
- Weitere Schreibweise: Stubach
- Adresse: Ebrachergasse 8; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 71
- Nicht mehr vorhanden
[Bearbeiten] Kurie Vituli
- Weitere Namen: zum Kalb, Kleintannenberg, Handwerkerhof
- Adresse: Ebrachergasse 2; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 75
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofportal
[Bearbeiten] Kurie Sternberg
- Weitere Namen: Thelheim, Breitenbachshof, Brettingen, curia sita ex opposito contra curiam Eberacensem
- Adresse: Ebrachergasse 1; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 76+79
- Die Gebäude des Hofs Sternberg sind nicht mehr vorhanden. An deren Stelle wurde 1899 das Centralschulhaus fertiggestellt. Entwurf und Ausführung des Gebäudes im Stil der Spätrenaissance lagen bei Stadtbaurat P. Bernatz. Später war hier die Kaufmännische Berufsschule untergebracht, heute befinden sich in dem ehemaligen Schulhaus Räumlichkeiten der Hochschule für Musik.
[Bearbeiten] Kurie Grindlach und zur Weide
- Weitere Namen: Curia Grindlach (et) Curia ad salicem, Flosculi apud salicem, apud salicem, Tutonis, Alte Hofhaltung, Kurie hinter dem Dom bei der (großen) Linde; weitere Schreibweisen: Gründlach, Grundlach, Grindelach, Groß-Grundlach
- Adresse: Bibrastraße 2, Hofstraße 6/8; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 80, 80 1/2, 80 3/4
- Nicht mehr vorhanden
[Bearbeiten] Kurie Rödelsee
- Weitere Namen: Rotelse orto adjacente, curia infra cuius ambitum est capella Omnium Sanctorum, Würtzburgischer Hof
- Adresse: Paradeplatz 4; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 81
- Noch vorhandene / wieder erstellte Bauplastik: Alabastergruppe und Portalstein der Kapelle
[Bearbeiten] Kurie Tannenberg
- Weitere Namen: zum wilden Schweinskopf, curia scolastici
- Adresse: Paradeplatz 2; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 82
- Noch vorhandene / wieder erstellte Bauplastik: Wappen
Ehemals Hof des Domherrn Wilhelm Schutzbar, genannt Milchling. Die Besonderheit des Hofes war die reiche Ausschmückung der Fassade mit Wappen: 20 Ahnenwappen des Domherrn selbst, dazu das Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn und die Wappen aller Mitglieder des Domstifts im Jahr 1575.[5]
[Bearbeiten] Kurie Heideck, heute Hof Heideck
- Weitere Namen: Curia in qua sita est Cappella sancte Margarethe, Trimberg, Gundelfingen, Lichtenstein, Zandt'scher Hof
- Adresse: Domerschulstraße 1; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 83
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofgebäude
Errichtet 1626 durch Domkapitular Erhard von Lichtenstein, dessen Wappen noch die Fassade schmückt. Besonders sehenswert ist das Renaissanceportal. Der Hof befand sich lange in der Hand der Familie Zandt. Zeitweise war er an eine Reitschule vermietet, zeitweise befand sich dort eine Fahrradbahn. In den 1920er Jahren erwarb das Kloster der Töchter vom allerheiligsten Erlöser das Anwesen. Im 2. Weltkrieg wurde der Hof nur wenig beschädigt. Anschließend wurde im West- und Nordflügel die Theresienklinik der Ebracher Schwestern eingerichtet und 1950 eingeweiht. Der neue Anbau aus den 1950er Jahren umfasst ein romanisches Halbkreisportal aus dem 12. Jhd.[6]
[Bearbeiten] Kurie Seebach
- Weitere Namen: Lauda (luden)
- Adresse: Domerschulstraße 3; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 84
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Kapelle, Treppenturm und Ostflügel, Kopie des Hofportals
[Bearbeiten] Kurie Augsburg
- Weitere Namen: Augsburger Hof, Grumbachhof
- Adresse: Domerschulstraße 5; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 85
- Noch vorhandene / wieder erstellte Bauplastik: Wappen
Zunächst Augsburger Hof genannt, später Hof Grumbach. Errichtet 1499, restauriert 1658. Dreiflügelanlage mit barocker Front. Der Hof wurde im 2. Weltkrieg vollständig zerstört, später wurde er deutlich verkleinert wieder aufgebaut.
[Bearbeiten] Kurie Teutleben
- Weitere Schreibweisen: Tuteleibe, Tuttleben, Tutlauben, Tütleuben
- Adresse: Domerschulstraße 6; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 87
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Fensterarkaden
[Bearbeiten] Kurie Öttingen
- Weitere Schreibweisen: Oetingen, Ottingen, Utingen
- Adresse: Domerschulstraße 4; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 88
- Nicht mehr vorhanden
[Bearbeiten] Kurie Marmelstein, heute Marmelsteiner Hof
- Adresse: Domerschulstraße 2, Plattnerstraße 16; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 89/90
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofgebäude
Errichtet von Balthasar Neumann. Der Hof wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut, 1950 zog das bischöfliche Ordinariat ein. Im Marmelsteiner Hof befindet sich heute auch das Museum "Domschatz".
[Bearbeiten] Kurie Krautheim
- Weiterer Name: Großkrautheim; Weitere Schreibweise: Crutheim
- Adresse: Sterngasse 16; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 155
- Noch vorhanden / wieder errichtet: Hofportal
[Bearbeiten] Kurie Waldhausen
- Weitere Schreibweise: Walhusen
- Adresse: Ebracher Gasse 3; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 87/88
- Nicht mehr vorhanden
[Bearbeiten] Kurie Guttenberg
- Adresse: Bruderhof 5; Frühere Adressbezeichnung: Distrikt III, Nr. 98
- Nicht mehr vorhanden
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Jörg Lusin: Die Baugeschichte der Würzburger Domherrnhöfe. Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. Würzburg / Würzburger Diözesangeschichtsverein 1984
- G. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Band 1, Mitteldeutschland, Seite 412; Tübingen 1924
- Jörg Paczkowski: Der Wiederaufbau der Stadt Würzburg (Peller-Liste). Mainfränkische Studien, Band 30. Würzburg 1982.
- Peter Moser: Würzburg. Geschichte einer Stadt. Babenberg Verlag, Bamberg 1999. ISBN 3-933469-03-1
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ S. Göbl: Würzburg die Stadt des Rokoko. Ein kulturhistorisches Städtebild. Verlag Stürtz A.G., 12. Auflage, Würzburg 1926, S. 91f
- ↑ Peter Moser: Würzburg. Geschichte einer Stadt. Babenberg Verlag, Bamberg 1999. ISBN 3-933469-03-1, S. 122
- ↑ Sonntagsblatt über den Hof Conti
- ↑ S. Göbl: Würzburg die Stadt des Rokoko. Ein kulturhistorisches Städtebild. Verlag Stürtz A.G., 12. Auflage, Würzburg 1926, S. 91f
- ↑ S. Göbl: Würzburg die Stadt des Rokoko. Ein kulturhistorisches Städtebild. Verlag Stürtz A.G., 12. Auflage, Würzburg 1926, S. 92
- ↑ Bruno Rottenbach: Würzburger Straßennamen Band II. Fränkische Gesellschaftsdruckerei GmbH Würzburg 1969. S. 7