Enzelin

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Darstellung der Alten Mainbrücke (Merian, 1656)

Enzelin (Enzelinus Laicus) war ein angesehener Würzburger Bürger und Bauverwalter des frühen 12. Jahrhunderts.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der in der Literatur als „Baumeister“ gepriesene Enzelin war nach neuerer Interpretation der mittelalterlichen Texte kein bauausführender Werkmeister sondern ein leitender Bauverwalter. [1] Nachdem er diese Aufgabe beim Bau der Alten Mainbrücke offenbar zur Zufriedenheit aller ausgeführt hatte, wurde er auf Empfehlung der Bürgerschaft vom Bischof auch mit der Verwaltung von Dombaumaßnahmen betraut. In der von Bischof Embricho ausgestellten Urkunde des Jahres 1133 heißt es:

„...da Gott gutem Trachten immer hilft, so ist uns durch den Zuruf aller unserer Bürger ein guter Mann bezeichnet worden, welcher uns auch die Brücke als glänzendes Werk gebaut hat, der Laie Enzelin, dem wir die Verwaltung und Leitung (curam et magisterium) für die Wiederherstellung und Ausschmückung unserer Kirche übertragen haben in genugsam schöner und glücklicher Ordnung, so dass er, welcher die Brücke und den Weg zur Kirche hergestellt hat, selbst auch durch die Wiederherstellung der Kirche zum königlichen Palast, d.h. zum himmlischen Palast, emporsteige.“

Der Namenszusatz „Laicus“ betont, dass mit Enzelin ein Nicht-Kleriker mit dieser Aufgabe betraut wurde.

Bauwerke[Bearbeiten]

Enzelin ließ mit Unterstützung der Würzburger Bürgerschaft in den Jahren vor 1133 die Alte Mainbrücke in ihrer ersten Version errichten. Die bauausführenden Werkleute sind unbekannt. Von Enzelins Brücke ist heute noch der erste östliche Bogen über dem Mainkai erhalten. Er wird deshalb auch „Enzelinsbogen“ genannt. Alle anderen Brückenbögen wurden im Rahmen des Neubaus um 1500 oder nach 1945 erneuert. Zur Zeit der Ausfertigung der Urkunde im Jahr 1133 war die Alte Mainbrücke die größte Steinbrücke in Deutschland (Die Drususbrücke bei Bingen über die Nahe stand zwar schon seit dem 11. Jahrhundert, war aber kürzer. Die Brücke in Regensburg ist länger, wurde aber erst von 1135 bis 1146 errichtet). Unter Enzelins Verwaltung wurde die Restaurierung des Doms und ca. 1130 der Bau einer Kapelle in der Pleicher Vorstadt vorangetrieben, die später zur Pfarrkiche St. Gertraud erhoben wurde.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Nach ihm ist die Enzelinstraße im Stadtbezirk Grombühl benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günther Binding: architectus, magister operis, Werkmeister: Baumeister oder Bauverwalter im Mittelalter, S. 2. Vortrag vom 4. Juli 1997

Quellen[Bearbeiten]