Festung Marienberg
| Festung Marienberg | |
|---|---|
| Stadt | Würzburg |
| Enstehungszeit | keltische Fliehburg. Beginn des Ausbaues 6. Jahrhundert |
| Typologie | Höhenburg |
| Höhe | |
Die Festung Marienberg liegt auf dem Marienberg im Westen der Innenstadt auf der gegenüberliegenden Mainseite. Drei Höfe liegen als Verteidigungsanlagen vor der eigentlichen Burg mit ihren vier Flügeln. Der nördliche Teil des Fürstenbaus enstand um 1300. Die ehemaligen Stückgärten der wesentlich älteren Höhenburg (Kanonenstandplätze vor der Mauer) sind nach Norden ausgerichtet. Nun befinden sich im Inneren zwei Museen und einige Gastronomiebetriebe. Wichtigstes Ereignis für die Burganlage im vergangenen Jahrhundert war die Landesgartenschau 1990.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Lage
Wer sich der Festungsanlage über die Zufahrt Höchberger Straße - Oberer Burgweg nähert, muß drei Höfe von West nach Ost durchschreiten, bis er in den vierten, den eigentlichen Innenhof des Schlosses gelangt. Nämlich die Bastionen der Schwedenschanze, die Vorburg, den Greifenclauhof. Der Zugang ins Schloss erfolgt vom Greifenclauhof her durch den vierten Flügel, das Alte Zeughaus.
Am Süd- und Osthang befinden sich Weinberge (Weinlage Innere Leiste und Schlossberg). Im Norden liegt eine Kleingartenanlage, die zur Landesgartenschau 1990 errichtet wurde. Der Bergrücken im Westen ist der einzige flache Zugang zur Burg. Mit den Kanonen der Marienfeste konnten die Mainufer und der Flussübergang bestrichen/gesichert werden.
[Bearbeiten] Geschichte
Am Standort der Festung bestand zu keltischer Zeit eine Fliehburg (etwa 1000 v. Chr). Ab dem 6. Jahrhundert wurde die Burg von den Franken genutzt. 706 wurde die Marienkirche (Würzburgs älteste Kirche) geweiht und eine Wehranlage mit Erdwall und Fachwerkbauten errichtet. Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Hofhaltung der Fürstbischöfe auf dem Marienberg eingerichtet. Der nördliche Teil des Fürstenbaus sowie der Bergfried enstanden. 1308 wurde mit der Verlängerung der Bauten begonnen und es entstand der erste Turm an der südöstlichen Ecke. Das alte Zeughaus, der Hofstubenbau und das Scherenbergtor entstanden ab 1466 und schlossen die Hauptburg ab. Außen herum wurde ein erster Befestigungsring mit Graben gezogen.
Lorenz von Bibra ließ die Burg im Stil der Renaissance ausbauen und die Wehranlagen erweitern. So hielt die Burg dem Ansturm im Bauernkrieg im Jahr 1525 stand. 1572 kam es zu einem Brand wobei Teile der Burg zerstört wurden. Julius Echter ließ in der Folge (ab 1573) die Burg weiter um- und ausbauen. Die Anlage wurde dabei auch um einen zweiten Hof bis zur Echterbastion erweitert. Im dreißigjährigen Krieg eroberte Gustav Adolf von Schweden 1631 die Stadt und die Festung. Nach der Vertreibung der Schweden wurde die Burg 1648 zur Reichsfestung erhoben. Sie wurde zur barocken Festungsanlage ausgebaut und mit den damaligen Waffen entsprechenden Bastionen und Toren versehen.
Ab dem Jahr 1708 erfolgte eine Erweiterung der Burganlage um einen dritten Hof mit dem (neuen) Zeughaus. Die Befestigung wurde um mehrere Vorwerke ergänzt. 1720 wurde die Residenz der Fürstbischöfe von der Burg in die Stadt verlegt. Die Festung behielt zunächst ihren militärischen Charakter. Als letzte größere Verteidigungsanlage wurde an der Südwestflanke der Maschikuliturm zur Absicherung der Basteien errichtet. Nach dem Aufheben der Festungseigenschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert begann die Burg zu verfallen.
Ab 1937 wurden große Teile der Burg als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durch die bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen restauriert. Dabei kamen verborgene Teile wieder zum Vorschein. Zum Beispiel das zum Schutz vor Kanonoenkugeln grob eingemauerte Brunnenhaus und die Pferdeschwemme. Zu dieser Zeit wurde auch ein erstes Museum im Fürstenbau errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde bei den Luftangriffen Würzburgs am 16. März 1945 auch die Festung stark beschädigt und bereits ab 1950 wieder aufgebaut.
[Bearbeiten] Heutige Nutzung
Im barocken Zeughaus befindet sich heute das Mainfränkische Museum worin sich eine Sammlung fränkischer Kunstwerke befindet, u.a. die Plastiken von Tilman Riemenschneider und eine vorgeschichtliche Sammlung sowie Zeugnisse fränkischer Weinkultur und eine Volkskunde-Abteilung. Im Ostflügel befindet sich das Fürstenbaumuseum mit fürstbischöflichen Wohnräumen, der Schatzkammer und einer Abteilung zur Stadtgeschichte Würzburgs.[1]
Durch die Burggaststätten wird gegenwärtig der südliche Hofstubenbau (mit dessen Außenterrassen) gastronomisch genutzt: So stehen unter anderem mit Fürstensaal, der Orangerie, der Ritterstube und der Turmklause historische Räumlichkeiten zur Verfügung. Ebenfalls im Hofstubenbau befindet sich ein Tagungszentrum des städtischen Eigenbetriebs Congress-Tourismus-Wirtschaft. Mit der Schänke zur alten Wache gibt es nördlich des Zeughauses einen im Sommer geöffneten Biergarten.
[Bearbeiten] Besucherinformation
[Bearbeiten] Burgführungen
- 15. März – 31. Oktober 2009
- Dienstag – Freitag: 11:00, 14:00, 15:00 und 16:00 Uhr
- An Samstagen, Sonn- und Feiertagen: 10:00, 11:00, 13:00, 14:00, 15:00 und 16:00 Uhr
- Führung in englischer Sprache: 15:00 Uhr [2]
[Bearbeiten] Anfahrt/Fußwege
- Mit dem PKW und Reisebus ist die Festung über die Höchberger Straße und den Oberen Burgweg zu erreichen. Es besteht ein großer Besucherparkplatz am Höchberger Tor.
- Im Sommerhalbjahr verkehrt die Buslinie 9 von der Residenz über den Kulturspeicher zur Festung. Die Endstation befindet sich unterhalb des Schönborntores.
- Fußwege führen einerseits durch die Weinberge am östlichen und südlichen Hang des Marienbergs (Weinwanderweg Schlossberg und Leiste) andererseits über die Tellsteige durch das Neutor zur Festung. Zudem erreicht man die Burg auch über die Parkanlagen der Landesgartenschau 1990.
[Bearbeiten] Lageplan
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[Bearbeiten] Architektur und Sehenswertes
[Bearbeiten] Die Bastionen der Schwedenschanze
Die so genannte Schwedenschanze wird von mehreren Bastionen umfasst: Bellona, Mars, Reichsravelin, Werk Frankenland und Werk Teutschland. Im Süden schließen sich an sie die Bastionen St. Nikolaus, St. Johann Babtist an. Diese Bauwerke machen den Festungscharakter der Anlage aus.
[Bearbeiten] Greifenclauhof
[Bearbeiten] Echtersche Vorburg
In der Mitte des Hofes der Vorburg, die vor allem Stallungen beherbergt, steht ein Brunnen, der zur Pferdepflege eingerichtet war (Pferdeschwemme). Von hier aus geht es über eine ursprüngliche Zugbrücke über den Burggraben in die eigentliche Burg. Die Außenseite des alten Zeughauses jenseits des Grabens bildet die vierte Hofseite. Eindringlinge konnten bei der Verteidigung so aus der Burg unter Feuer genommen werden.
[Bearbeiten] Schloss mit innerem Burghof
Das heute sichtbare Schloss wird von vier Flügeln gebildet, die um den inneren Burghof stehen. Auf ihm befinden sich drei, jedes für sich beeindruckende Bauwerke: der Bergfried der ursprünglichen Burg, die Marienkirche und das Brunnenhaus. Der Schlossflügel zum Main ist der so genannte Fürstenbau. Die beiden Längsbauten sind nach Norden der Kammerbau und nach Süden der Hofstubenbau. Der Zugang ins Schloss erfolgt vom Greifenclauhof her neben dem vierten Flügel, dem Alten Zeughaus. Das dortige Tor heißt Scherenberger Tor. Vorgänger des Schlosses war eine etwas kleinere Burganlage um den Bergfried und den nicht erhaltenen Palas des Konrad von Querfurt, die im 11. und 12. Jahrhundert entstand. Sie hatte vermutlich 1/4 bis 1/2 des Ausmaß vom heutigen Schloss.
Im inneren und zugleich ältesten Hof der Festung befinden sich die Marienkirche, der Bergfried und das Brunnenhaus für den Tiefen Brunnen.
Hier ist auch der Zugang zum Fürstenbaumuseum, zum Fürstengarten, zur Burggaststätte und zum Tagungsbereich.
[Bearbeiten] Marienkirche
Keine Kirche im Bistum Würzburg ist älter: circa 1300 Jahre Geschichte repräsentiert die Marienkirche in der Festung Marienberg. Herzog Hetan II. soll sie im Jahr 706 zu Ehren der Gottesmutter errichtet haben, schreibt zu Beginn des 14. Jahrhunderts Michael de Leone, Protonotar des Bischofs Otto II. von Wolfskehl. Bis zur Übertragung der Gebeine der Märtyrer Kilian, Kolonat und Totnan in den rechtsmainischen Dom im Jahre 788 blieb die Kirche die Kathedrale des Bistums, die Bischofskirche. Dass sie als Marienkirche im Bewusstsein der Bevölkerung blieb und der Ehrentitel „Herzogin von Franken“ für Maria gilt, belegt nach Meinung eines Kirchenhistorikers die hohe Bedeutung Mariens im Glauben in der Region. Ihre Kuppel bekrönt den Berg jedenfalls um vieles länger als die heutigen Schlossbauten, die sie immer noch überragt und damit der Festung einen besonderen Umriss gibt.
[Bearbeiten] Türme
Vom Mainufer der Altstadt aus gesehen erkennt man rechts den Marienturm (an der Nordost-Ecke), bekrönt mit der Madonna im Strahlenkranz, die sich in gleicher Form auf der Marienkapelle findet. Links steht an der Südost-Ecke der Randersackerer Turm (auch Sonnenturm genannt) und daneben kleiner der runde Küchenturm. Der Randersackerer Turm musste 1308 von aufständischen Würzburgern als Strafmaßnahme errichtet werden. Beim Zugang zum inneren Burghof erhebt sich links, im Nordwesten des Gevierts, neben dem Scherenbergtor, der Kiliansturm, der eine vergoldete Figur des Frankenapostels Kilian trägt.
Im Schlosshof befindet sich freistehend der 42 Meter hohe Bergfried mit einem kleinen Treppenturm (Bestandteil der ältesten Wehranlage, später Gefängnis).
Der Maschikuliturm, außerhalb in den Weinbergen am südlichen Festungshang gelegen, wurde spät zur Sicherung der Verteidigungsanlagen im Vorfeld hinzugebaut.
Marienturm (Blick hoch vom Fürstengarten)
[Bearbeiten] Tore
Die Tore an der Burg und den umgebenden Befestigungsanlagen:
- Das Scherenbergtor führt zum inneren Burghof. Das Tor mit beidseitig angeordneten runden Türmen wurde 1482 vollendet. Über dem Durchgang befinden sich an der äußeren Fassade die Figuren der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan und darüber eine Darstellung der Gottesmutter Maria. Wappen verweisen auf den namengebenden Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg (Amtszeit 1466-1495).
- Echtertor, benannt nach Julius Echter von Mespelbrunn
- Schönborntor (nach dem Schönborn)
- Inneres Höchberger Tor (auch Guttenbergtor, nach dem Guttenberg)
- Äusseres Höchberger Tor (auch Greiffenklautor, nach Karl Philipp v. G.)
- Die Schönbornsche Ausfallpforte ist ein sehr kleines Nebentor in der Befestigungsanlage, das der Besatzung der Festung Marienberg bei einer Belagerung einen überraschenden Ausfall oder ein unentdecktes Verlassen der Anlage erlaubte. In Friedenszeiten diente es als Abkürzung für den sonst langen Wege durch die Wehranlagen. Diesem Zweck erfüllt die Pforte auch gegenwärtig noch.
- Neutor
[Bearbeiten] Grünanlagen
- Der Fürstengarten befindet sich auf der Ostseite der Burg unterhalb der fürstbischöflichen Wohnräume.
- Die Anlagen der Landesgartenschau 1990 erstrecken sich am nördlichen Hang des Marienbergs zwischen den Mauern der Burgbefestigung bis zum Zeller Tor.
[Bearbeiten] Sonstiges
Seit einigen Jahren wird die Festung immer am 30. November in grüner Farbe beleuchtet. Mit dieser Aktion beteiligt sich die Stadt Würzburg am internationalen Tag gegen die Todesstrafe.[3]
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Literatur
- Max H. von Freeden: Festung Marienberg. Hrsg.: Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. Stürtz-Verlag, Würzburg 1982. ISBN 3-80030187-3
- Helmut Flachenecker, Dirk Götschmann, Stefan Kummer, Günter Huth: Burg - Schloss - Festung. Der Marienberg im Wandel. Echter Verlag, Würzburg 2009.
- Marianne Erben: Unsere Würzburger Festung. Echter Verlag, Würzburg 1998.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ http://www.wuerzburg.de/de/tourismus-tagungen/sehenswuerdigkeiten/highlights/15002.Festung_Marienberg.html
- ↑ http://www.wuerzburg.de/de/tourismus-tagungen/einzelgaeste/einzelfuehrungen/22621.Fuehrung_auf_der_Festung_Marienberg.html
- ↑ Main-Post: Grün gegen die Todesstrafe