Judendeportation
Zwischen November 1941 und Juni 1943 fanden in Unterfranken sechs Judendeportationen statt. Von 2043 Menschen, die in Würzburg in die Züge getrieben wurden, überlebten nur 41 die Shoa (die Verfolgung und Vernichtung von Juden durch die Nationalsozialisten in Europa).
[Bearbeiten] Die "Judenhäuser" genannten ersten Gefängnisse
[Bearbeiten] Die erste Deportation: 27. November 1941
Am 27. November 1941 kam es zur ersten Deportation. Der erste Würzburger Transport gehörte zu einer ganzen Reihe von Evakuierungsaktionen, mit denen das Reichssicherheitshauptamt die "Endlösung der Judenfrage" in Deutschland einleitete. Zunächst wurden die Juden ins Sammellager in Nürnberg-Langwasser (beim Reichsparteitags-Gelände) und am 29. November weiter ins Vernichtungslager Jungfernhof bei Riga, im besetzten Lettland, deportiert. Das Schicksal der 202 hiesigen Kinder, Frauen und Männer lässt sich nur ungefähr rekonstruieren.
Viele erfroren, andere wurden erschossen.
Die beiden Würzburger Buben Herbert Mai und Fred Zeilberger überlebten.
[Bearbeiten] Die zweite Deportation: 24. März 1942
Bei der zweiten Deportation am 24. März 1942 wurden 208 Personen von Kitzingen nach Izbica bei Lublin transportiert.
[Bearbeiten] Die dritte Deportation: 25. April 1942
Hatte die Gestapo die ersten beiden Transporte in der Würzburger Stadthalle bzw. im "Fränkischen Hof" in Kitzingen abgefertigt, so benutzte sie für die nächsten drei Evakuierungsaktionen von April bis September 1942 den Platz'schen Garten.
Die größte Deportation war die dritte am 25. April 1942 als 852 Juden in langen Kolonnen vom Platz'schen Garten von SS- und Polizeiposten über den heutigen Friedrich-Ebert-Ring, die frühere Hindenburgstraße, zum Bahnhof Aumühle marschieren mussten. Für die Zugfahrt nach Izbica bei Lublin musste jeder Jude 80 RM berappen.
Am 10. Mai 2011 wurde das erste Mal der Weg der Erinnerung begangen, der an die Opfer erinnern soll. Dazu wurden die Namen und Geschichten der NS-Opfer aus Stadt und Region recherchiert (von dem Projekt "wir-wollen-uns-erinnern").
[Bearbeiten] Die vierte Deportation: 10. September 1942
Bei der vierten Deportation am 10. September 1942 wurden 177 Personen zwangsweise ins Konzentrationslager Theresienstadt gebracht.
[Bearbeiten] Die fünfte Deportation: 23. September 1942
Am 23. September 1942 wurden 562 Personen ins Konzentrationslager Theresienstadt (Terezin) deportiert.
[Bearbeiten] Die sechste Deportation: 17. Juni 1943
Die letzte Deportation am 17. Juni 1943 umfasste 64 Personen. Davon wurden 7 Personen ins Konzentrationslager Theresienstadt und 57 Personen in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Am 6. August 1943 fertigte die Würzburger Gestapo einen "Schlussbericht" über die Deportationen aus ihrem Geltungsbereich an, in dem es u. a. hieß: "Am 17. Juni 1943 sind auf Grund des Erlasses des Reichssicherheitshauptamtes vom 21. Mai 1943 64 Juden aus Würzburg abgewandert. Mit diesem letzten Transport sind sämtliche nach den ergangenen Richtlinien abzuschiebende Juden aus Mainfranken abgewandert."
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Projekt: www.wir-wollen-uns-erinnern.de — an die Namen und Geschichten der Opfer
- Main-Post: "Weg der Erinnerung für Deportationsopfer" (11. Mai 2011)
- Pressemitteilung des Bürgermeisters zum Gedenken
- Main-Post: "Erinnerungsweg am 10. Mai" (22. April 2011)
- Daniel Gerken: Die Selbstverwaltung der Stadt Würzburg in der Weimarer Republik und im Dritten Reich.
Dissertation Universität Würzburg (Seite 350, Hinweis auf den Verbleib des Eigentums der Deportierten) - Informationen bei nuernberg.de
- Informationen zum KZ Izbica: Von März bis Juni 1942 wurden aus dem Ausland [das meint vor allem aus dem Dt. Reich 17.000 Juden nach Izbica deportiert. Die Transit-Ghettos lagen nahe bei oder direkt an den Eisenbahnstrecken, die nach Belzec oder Sobibor führen.] (Bei deathcamps.org)
[Bearbeiten] Quellen
- Facharbeit "Nationalsozialistische Einrichtungen in Würzburg" von Simon Kiesel (Friedrich-König-Gymnasium Würzburg, Kollegstufenjahrgang 1999/2001)