Juliusspital

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Das Juliusspital ist ein Krankenhaus in der Würzburger Altstadt. Es gehört zur "Stiftung Juliusspital Würzburg", die durch Julius Echter von Mespelbrunn im 16. Jhd. gegründet wurde. Die Stiftung umfasst u.a. noch ein Seniorenstift und ein Weingut.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Stiftung

Die Stiftung hat über 3300 Hektar Wald, rund 1100 Hektar landwirtschaftliche Güter und 172 Hektar Weinberge[1]. Sie ist gemeinnützig und unterhält aus ihren Erlösen ein Krankenhaus sowie ein Senioren-, Pflege- und Pfründenerstift.

[Bearbeiten] Teilbereiche

Heute gehören zur Stiftung Juliusspital folgende Einrichtungen:

[Bearbeiten] Gründungsgeschichte

Als Julius Echter 1573 zum Bischof von Würzburg gewählt wurde, war er vom Erzbistum Mainz dem Würzburger Domkapitel empfohlen und gezielt auf seine Aufgabe vorbereitet worden. Das Bistum steckte in den religiösen Wirren der Reformation, und der fränkische Adel war überwiegend zum Protestantismus übergetreten. Damit nicht gemäß dem Spruch „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ auch ein Großteil der fränkischen Bevölkerung zum Protestantismus wechselte, wollte man einen durchsetzungsstarken Fürstbischof.

Julius erkannte bald das Fehlen weiterer Armen- und Krankenhäusern in seiner Residenzstadt Würzburg (das Bürgerspital zum Hl. Geist existierte schon seit 1316, gegründet durch Johann von Steren, einem Würzburger Patrizier). Im Zuge der Neuordnung des Spitalwesens sollte die Stiftung ein Musterspital hervorbringen.

Julius Echter stiftete das Spital mit seinem Privatvermögen. Er kaufte Gärten und Lagerplätze auf, ließ aber auch noch den Judenfriedhof dazu einebnen, den die Jüdische Gemeinde auf ewige Zeiten gekauft hatte. Der Grundstein für den Spitalbau wurde am 12. März 1576 gelegt. Im Stiftungsbrief vom 12. März 1579 sicherte der Fürstbischof den Unterhalt der Anlage durch Überschreibung von Grundbesitz wie Äcker, Weinberge und Wälder, die bis heute ihren Wert nicht verloren haben.

[Bearbeiten] Das Spital

Das Spital war nicht nur Krankenhaus, sonder umfasste auch weitere Bereiche wie ein Waisenhaus und eine Pilgerunterkunft. Nach der Stiftungsurkunde sollten Arme, Kranke, Waisen und Pilger Aufnahme finden: „allerhand Sorten Arme, Kranke unvermugliche, auch schadhafte Leut, die Wund- und anderer Arznei notdürftig sein, desgleichen Waysen und dann füruberziehende Pilgram und dörftige Personen“ (Quelle: Stiftungsurkunde von 1579).

Bis heute wird das Juliusspital als Krankenhaus geführt. Von 1593 bis 1921 war es Universitätsklinik.

[Bearbeiten] Der Gebäudekomplex an der Juliuspromenade

[Bearbeiten] Fürstenbau

Die Uranlage entstand um 1585 nach Plänen von Georg Robin als rechteckiger, um einen Hof angeordneter Komplex nördlich außerhalb der inneren Stadt und war der erste moderne Hospitalbau in Deutschland. Ein Kupferstich von Johann Leypold aus dem Jahre 1603 gibt das damalige Aussehen wieder. Anstelle des 1699 durch einen Brand zerstörten Nordflügels errichtete Antonio Petrini (1620/21–1701) einen Neubau (Fürstenbau), der nach seinem Tode durch Joseph Greising (1664–1721) bis 1714 vollendet wurde. 1785 bis 1793 wurden die straßenseitigen drei Flügel durch einen Neubau ersetzt. Die Anlage wurde 1945 durch den Krieg zerstört und bis 1955 wieder aufgebaut.

Im Fürstenbau befindet sich auch die Kirche St. Kilian und eine Rokoko-Apotheke. Vom Innenhof sind an der Fassade des Fürstenbaus die Wappen der Fürstbischöfe Julius Echter von Mespelbrunn und Johann Philipp von Greiffenclau zu sehen. Der Innenhof ist mit zwei Zierbrunnen geschmückt, an der Hauswand der Westseite ist Pumpbrunnen eingelassen.

Die Weinstube Juliusspital (gegründet 1576) befindet sich ebenfalls im Bereich des Hauptgebäudes.

[Bearbeiten] Gartenpavillon

Gartenpavillon des Juliusspital

Der Gartenpavillon im Park wurde 1705 nach Plänen von Joseph Greising als erster barocker Schloss-Saal Würzburgs errichtet. Er diente dem fürstbischöflichen Hofe für Festlichkeiten, da kein Gartensaal im Fürstenbau inbegriffen war. Die Stuckdecke zeigt die vier Jahreszeiten, sowie Portraits und Wappen der Fürstbischöfe Echter und Greiffenclau. Die spezielle Wölbung des Daches ähnelt den Formen am Käppele. Das nördliche Türmchen diente als Wasserturm für den Springbrunnen. Das südliche wurde symmetrisch als Schmuck ergänzt.

1726 erfolgte ein Umbau zum Vorlesungssaal für Anatomie. Daher wird der Pavillon auch noch als "Theatrum Anatomicum" oder "Alte Anatomie" bezeichnet. Hier lehrten die Ärzte und Wissenschaftler Carl Caspar von Siebold, Johann Georg Siebold, Albert von Koelliker und Rudolf Virchow. Carl Gottfried Scharold beschreibt die alte Anatomie im Jahr 1805[2]: "Das anatomische Gebäude liegt in dem botanischen Garten im Juliusspital, und besteht 1) aus einem großen Hörsaale, welcher in 3 Gallerien hohes anatomisches Theater enthält; 2) aus zwey zur Aufbewahrung der Präparate gewidmeten Cabineten, 3) aus drei andern Zimmern; welche theils zum Aufenthalte des Professors und des Prosektors und für anatom.-chirurgische Privatvorlesungen, theils zur Uebung im Seciren der Leichname ... bestimmt sind."

Die Figuren in den Fassadennischen des Pavillons schuf 1787 der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner.

Seit 1853 wird das Gebäude als Festsaal genutzt. Nach der Kriegszerstörung 1945 wurde der Pavillon 1955 in seiner ursprünglichen Form wieder errichtet. 1995 erfolgte eine Generalsanierung mit Wiederherstellung der Stukkatur nach historischer Vorlage.

Heute finden im Gartenpavillon Konzerte und Tagungen statt.

[Bearbeiten] Park

1597 ließ Julius Echter am Spital einen Arzneikräutergarten anlegen. 1696 erfolgte dort die Gründung eines botanischen Gartens durch Johann Gottfried II von Guttenberg. 1854 wird das Gelände zum Erholungspark für Patienten, es ist öffentlich zugänglich.

Im Park befindet sich der Gartenpavillon. Außerdem ein barocker Brunnen, dessen allegorische Figuren die vier fränkischen Flüsse versinnbildlichen. Die Gartenanlage ist von Wegen durchzogen und Bänke laden zum Verweilen. Zahlreiche Bäume sind mit Schildern zur botanischen Erläuterung versehen.

[Bearbeiten] Zehntscheune

Zehntscheune des Juliusspitals

Die von 1678 bis 1681 erbaute und aufwändig restaurierte Zehntscheune bietet im Obergeschoß vier stilvolle Räume für Veranstaltungen bis zu insgesamt 200 Personen. Die Veranstaltungsräume können auch einzeln genutzt werden.

Die Gewölbe des Erdgeschoßes beherbergen die Gutsverwaltung, den Weinverkauf und die Weinpräsentation für Kunden aus Handel und Gastronomie.

[Bearbeiten] Weingut

Es ist ein Spitzenweingut und gehört zum Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter. Vom Gault Millau Deutschland, Weinguide wurde es mit drei Trauben klassifiziert. Es verfügt über Rebland in allen Spitzenlagen von Franken: so zum Beispiel am Würzburger Stein, Randersackerer Pfülben, Iphöfer Julius-Echter-Berg, Rödelseer Küchenmeister, Escherndorfer Lump. Es produziert 60 verschiedene Weine. Die vorherrschende Rebsorte ist traditionell der Silvaner. Stark vertreten sind daneben Riesling und Müller-Thurgau. Sechs Große Gewächse entstehen unter besonders strengen Anforderungen. Die Erträge des Weingutes fließen in die Stiftung Juliusspital ein. Die Bocksbeutel-Flaschen des Juliusspitals haben als Kennzeichen eine Schulterwappen-Prägung mit dem Amtssiegel des Stifters. Unter dem Fürstenbau des Juliusspitals befindet sich der 250 Meter lange Keller mit Tankkeller, Holzfasskeller mit 220 Fässern und Flaschenlager. Bei der Krönung von Königin Elizabeth II. wurde eine 1950er Riesling Auslese aus der Lage Iphöfer Julius-Echter-Berg ausgeschenkt.

Wie die übrigen beiden großen Würzburger Weingüter bietet das Weingut Juliusspital Kellerführungen an und hat einen Direktverkauf für private Kunden.

[Bearbeiten] Parkhaus

Nachdem die Parksituation rund um das Juliusspital lange Zeit unbefriedigend war, eröffnete die Stiftung 2008 das Parkhaus Juliusspital mit acht Etagen. Dieses steht nun neben Besuchern des Krankenhauses auch der Allgemeinheit zur Verfügung.

[Bearbeiten] Literatur

  • Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg (Hrsg.): Das Juliusspital Würzburg in Vergangenheit und Gegenwart: Festschrift aus Anlaß der Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspitals am 16. Juli 1953. Würzburg: Fränkische Gesellschaftsdruckerei 1953.
  • Ludwig Weiss (Bearb.), Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg (Hrsg.): 400 Jahre Pfarrkirche St. Kilian im Juliusspital zu Würzburg. Würzburg 1980.
  • Johanna Bleker (Hrsg.): Kranke und Krankheiten im Juliusspital zu Würzburg 1819 – 1829: zur frühen Geschichte des allgemeinen Krankenhauses in Deutschland. In: Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, 72. Husum: Matthiesen, 1995, ISBN 3-7868-4072-5.
  • Andreas Mettenleiter: Die Anatomenskulpturen von Johann Peter Wagner an der Fassade des juliusspitälischen Gartenpavillons in Würzburg. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen, 18. Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.
  • Robert Wagner: Wein- und Fleischzeichen des Juliusspital zu Würzburg. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, 25 (= 96), 1973, S. 145–149.

[Bearbeiten] Filme

  • Das Würzburger Juliusspital. Film von Hiltrud Reiter, BR 2007, gezeigt am 27 September 2009 in BR-alpha von 18:00-18:45. (Gemeinnützige Stiftung im Weinbau, Landwirtschaft, Forstwesen, Gesundheitswesen).

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Weingut Juliusspital
  2. Carl Gottfried Scharold: Würzburg und die umliegenden Gegenden für Fremde und Einheimische kurz beschrieben. Nachdruck der 1. Auflage von 1805, Palm&Enke, Erlangen 1980, S. 8f

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks


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