Kurie Grindlach und zur Weide

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Ecke Hofstraße/Paradeplatz: ehemaliger Standort der Kurie Grindlach und zur Weide
Kurie Grindlach und zur Weide auf einem Kupferstich von Salomon Kleiners (1725)
Lage der Domherrnhöfe (Stand 1823)

Die Kurie Grindlach und zur Weide war bis zum Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 ein ehemaliger Domherrnhof in der Würzburger Altstadt.

Lage[Bearbeiten]

Die Kurie Grindlach und zur Weide lag an der Südseite der Hofstraße und erstreckte sich von der Westgrenzte des Paradeplatzes bis zur Bibrastraße. Im südwestlichen Teil wurde sie vom Garten der Kurie Rödelsee begrenzt, an der östlichen Hälfte der Südgrenze schloss sich die Kurie Sternberg an. In der Hofstraße gegenüber lag die Kurie Altlobdeburg, in der Bibrastraße die Kurie Neulobdeburg.

In der alten Bezeichnung umfasste das Grundstück die Hausnummern Distrikt II, Nr. 80, 80 ¾ und 80 ½ [1], nach der neuen Numerierung Bibrastraße 2 und Hofstraße 6.

Namensgeber[Bearbeiten]

Der Hof zur Weide bildete mit dem Hof Grindlach einen großen Hof. Die Umbenennung des Hofteils „Tutonis“ in „Grindlach“ erfolge wohl um 1300. Die Hofbezeichnung leitet sich wahrscheinlich von Friedrich von Grindlach ab, der als Besitzer Anfang des 13. Jahrhunderts nachweisbar ist. [2]

Namensvariationen[Bearbeiten]

Weitere Bezeichnungen für die Kurie Grindlach und zur Weide sind: Curia Grindlach (et) Curia ad selicem, Flosculi aapud salicem, apud salicem, Tutonis [3], Alte Hofhaltung [4], Kurie hinter dem Dom bei der (großen) Linde [5].

Andere Schreibweisen: Gründlach, Grundlach, Grindelach, Groß-Grundlach

Geschichte[Bearbeiten]

Die Domherrnkurie wurde bereits 1288 zerstört. In diesem Jahr erhoben sich die Würzburger Bürger gegen die Geistlichkeit. Ob die Zerstörung des Hofes darauf zurückzuführen ist, weil der Offizialrichter der bischöflichen Kurie, der Domdechant Rudolph von Hürnheim gerade sein Besitzer war, ist nicht nachweisbar. Möglicher Grund für die Gewalttätigkeit war eine unnachgiebige und ungerechte Haltung Rudolphs von Hürnheim als Vorstand des geistlichen Gerichts, das wohl von den Bürgern im Verlaufe der Streitigkeiten erfolglos angerufen worden ist.

Am 10. Juni 1289 kam eine Einigung zwischen Bischof Manegold von Neuenburg und den „Herren von den Stiften mit der Bürgerschaft Wirzburg, welche den Hof zu Grindelach gebrochen. [6] Der zerstörte Hof wurde in der Folge vom Domkapitel wieder aufgebaut.

1590 wurde die Kurie vom Domherrn Graf Johann Gerwich zu Schwarzenberg neu gebaut. 1631 machte ihn König Gustav II. Adolf von Schweden zu seinem Hauptquartier. 1634 bezog Fürstbischof Franz von Hatzfeld nach seiner Rückkehr aus Köln die Kurie Grindlach. Unter Johann Gottfried von Guttenberg wurde die Kurie ab 1689 wieder als fürstbischöfliche städtische Hofhaltung umgenutzt. Nach seinem Tod wurde die Hofhaltung wieder auf die Festung Marienberg verlegt.

Letzter Domherr im Besitz des Hofes war ab 1774 Franz Karl Ludwig Maria von Kerpen. Er hatte nach der Säkularisation versucht, seinen Hof selbst zu kaufen, lehnte aber die damit verbundenen Bauauflagen ab. Nach dem Tod des Domherrn fiel der Hof an die großherzogliche Regierung und wurde in einem langwierigen Versteigerungsverfahren 1808 an Johann Faust verkauft. Er ließ, wie gefordert, den alten Baubestand abreißen und errichtete für eine Verbreiterung der Hofstraße einen etwas zurückversetzten Neubau. Beim Bombardierung Würzburgs 1945 brannte das Gebäude aus, die Fassade blieb erhalten.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

► Eine detaillierte Baubeschreibung der Kurie Grindlach und zur Weide ist dem Buch von Jörg Lusin (siehe Abschnitt „Quellen und Literatur“) zu entnehmen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Die Baulinie an der nordöstlichen Ecke des Paradeplatzes wurde nach dem Zweiten Weltkrieg weit nach Osten zurückgelegt, um den Verkehr zügiger vom Paradeplatz in die Domerpfarrgasse zu führen. In den Jahren von 1954 bis 1958 wurde das neue Postgebäude am Paradeplatz errichtet. Das einfache Gebäude in der Hofstraße 8 wurde bereits zuvor erbaut. Heute befindet sich auf dem Gelände die Oberbank AG.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Hinweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Uraufnahme im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  2. Geschlecht aus Großgründlach im Landkreis Fürth. Drei weitere Domherren dieser Familie sind als Besitzer nicht festzustellen (Albert von Grindlach, ein Bruder des genannten Friedrich (1230), Lupold von Grindlach d.Ä., Dompropst zu Bamberg (1293) und Lupold von Grindlach d.J., Bischof zu Bamberg (1293).
  3. Vermutlich so benannt nach dem Kleriker Tuto. Es wird sich um den Hofteil „Grindlach“ handeln, da die „curia Tutonis“ und die „curia apud salicem“ eigenständig nebeneinander benannt werden.
  4. Bezeichnung im Stadtplan von Balthasar Neumann
  5. Der Standort der ehemaligen Gerichtslinde vor der Kurie Grindlach und zur Weide ist in den Stadtansichten des 16. Jahrhunderts noch klar festzustellen
  6. Monumenta Boica 38 Nr. 7 [1]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Ehemaliger Standort
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