Max Dauthendey
Max Dauthendey (* 25. Juli 1867 in Würzburg; † 29. August 1918 in Malang auf Java) war ein Dichter und Maler.
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[Bearbeiten] Leben
Der Vater von Max Dauthendey, Karl Dauthendey, siedelte als deutscher Kolonist in Sankt Petersburg, wo sieben seiner Kinder zur Welt kamen. Drei Jahre vor der Geburt Max Dauthendeys zog die Familie Dauthendey nach Würzburg um. Hier kam Max am 25. Juli 1867 in der Büttnergasse 2 zur Welt.
Dauthendey wuchs in Würzburg als Sohn wohlhabender Eltern auf und erlebte eine glückliche Kindheit, die nur durch den frühen Tod seiner Mutter Caroline Dauthendey 1873 getrübt wurde. Er war kein einfacher Schüler, da seine Interessen schon früh der Wort- und Malkunst und weniger dem schulischen Lernen zugewandt waren.
[Bearbeiten] Berufliche Pläne
Dauthendey wollte Maler werden, musste sich jedoch dem Willen seines Vaters beugen, der ihn als Nachfolger für den Inhaber seines Photoateliers bestimmte. Die ungeliebte Tätigkeit im Atelier seines Vaters führte in den Jahren 1886 bis 1891 immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Dauthendeys renitentes Verhalten veranlasste seinen Vater sogar, ihn kurzzeitig in eine Nervenheilanstalt einweisen zu lassen. 1891 erlitt er einen körperlichen Zusammenbruch und zog auf den Würzburger Gutshof Neue Welt zu seiner Freundin Gertraud Rostosky und ihrer Familie. Im Dezember 1891 löste sich Dauthendey endgültig von seinem Vater und zog ohne eigene Mittel nach Berlin und später nach Paris, um sich als freischaffender Dichter und Maler zu verdingen.
[Bearbeiten] Reisen
Verschiedene Reisen führten ihn in erster Linie nach Skandinavien, wo er 1894 Annie Johannson, die Tochter eines schwedischen Großkaufmanns kennen lernte, die er 1896 heiratete. Im gleichen Jahr verstarb sein Vater, so dass er aufgrund seines Erbteils erstmals größere Reisen unternehmen konnte. Zusammen mit seiner Frau bereiste er 1897 bis 1898 Nordamerika von New York bis Mexiko und Griechenland. Auf seiner Reise durch Griechenland im März und April 1898 begleitete ihn der junge Dichter und Archäologiestudent Karl Gustav Vollmoeller.
[Bearbeiten] Berliner Künstlerkreise und weitere Reisen
1891 kam Dauthendey nach Berlin. Bis 1893 hielt er sich im Umfeld des Friedrichshagener Dichterkreises auf und hatte Kontakte zu Stanislaw Przybyszewski. Przybyszewskis Beziehung zu Dagny Juel und das Verhältnis von ihr zu Edvard Munch hat er als Dreieckgeschichte in seiner Bohèmekomödie Maja (1911) verarbeitet. Im Friedrichshagener Dichterkreis unterhielt er Verbindungen zu Bruno Wille, Ola Hansson, Laura Marholm und Richard Dehmel. Er wird von Przybyszewski als „Mimosa Pudica“ betitelt, da er mit seiner erstaunlich feinen, vornehmen und überempfindlichen Art aufgefallen ist.
Von 1899 bis 1905 lebte das Ehepaar Dauthendey in Paris. Zwischendurch verbrachte Dauthendey auch immer wieder einige Zeit in Würzburg. 1905/06 begab er sich allein auf eine große Weltreise, die ihn über Ägypten, Indien, China und Japan erneut in die USA führte. Nach nur kurzem Aufenthalt in Paris kehrte er nach Würzburg zurück. 1906-13 verfügte er über einen Wohnsitz am Sanderring 23.
Dauthendey zählte zu dem schon zu seiner Zeit antagonistischen Künstlertyp, für den ausschließlich seine eigenen Vorstellungen maßgebend waren und der sich hinsichtlich so profaner Dinge, wie die Sorge um das tägliche Leben, voll auf die Unterstützung seines Umfeldes verließ. Da dieses Umfeld jedoch nicht oder nicht ausreichend diesen Erwartungen entsprach, waren wirtschaftliche Engpässe, ja sogar auch Not, die ständigen Begleiter von Dauthendey und seiner Frau, die sein Leben ebenso wie sein Wandertrieb und seine Sehnsucht nach exotischen Fernen bestimmten.
[Bearbeiten] Das „Traumhaus“
In den finanziellen Ruin trieb ihn ein 1912 spontan getätigter Grundstückskauf und der Bau eines Hauses in Würzburg, für das sich der bereits verschuldete Dichter in noch größere Schulden stürzte. Als das Haus schließlich im Frühjahr 1913 bezugsfertig war, erwies sich die Erschließung hinsichtlich Straße und Wasser als nicht gesichert. Lang andauernde Regenfälle in diesem Frühjahr schnitten das neue Eigenheim zeitweilig von der Umwelt ab. Am 23. August 1913 verließ Dauthendey sein Traumhaus für immer und fuhr kurzum nach Italien.
[Bearbeiten] Zweite Weltreise
Der Abschied von seiner Frau vor Antritt seiner zweiten Weltreise im April 1914 sollte sich als ein Abschied für immer herausstellen. Über Arabien und Java reiste er nach Neuguinea. Auf der Rückreise überraschte ihn der Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf Java. Hier wurde er aufgrund seiner deutschen Staatsangehörigkeit interniert. Obwohl seine Frau einflussreiche Bekannte dafür gewann, sich für Dauthendeys Freilassung zu verwenden, konnten selbst so bekannte Persönlichkeiten wie Romain Rolland und Bernhard Shaw seine Rückkehr nach Deutschland nicht erwirken. Vier Jahre verbrachte der bereits zu Beginn seines Zwangsaufenthaltes auf Java an Malaria erkrankte Dauthendey an wechselnden Orten wie Medan (auf Sumatra), Garoet, Soerabaia und Tosari. Die Behandlung durch den deutschen Tropenarzt Wilhelm Schüffner ermöglichte ihm Zeiten der Besserung, die er für Reisen auf Java nutzte. Hier entstanden auch viele seiner Gedichte und Aquarelle.
Kurz vor Ende des Krieges starb er im Alter von 51 Jahren an Malaria. Am 24. Mai 1930 wurde Dauthendeys Leichnam nach Würzburg überführt und im Garten des Luitpoldmuseums in der Maxstraße bestattet. 1951 wurde seine letzte Ruhestätte auf den Würzburger Hauptfriedhof verlegt.
[Bearbeiten] Leistungen
Die von Farben und Tönen bestimmte ungebundene und rhythmische Lyrik und Prosa machte Dauthendey zu einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus in Deutschland. Seine Werke sind bestimmt von der Liebe zur und der Ästhetik der Natur. Mit virtuoser Sprachbegabung setzte er seine Sensibilität für sinnenhafte Eindrücke in impressionistische Wortkunstwerke um.
Über seine Gedichte sagte Stefan George, (sie) „seien das einzige, was jetzt in der ganzen Literatur als vollständig Neues dastehe ... eine eigenartige Kunst, die reicher genießen lasse als Musik und Malerei, da sie beides zusammen sei.“
[Bearbeiten] Ehrungen
- In Würzburg wurde die Max-Dauthendey-Straße im Stadtteil Sanderau nach ihm benannt.
- Max-Dauthendey-Gesellschaft. Gegründet 1934
- Gedenktafel am Gutshof "Zur Neuen Welt". Diese wurde zu seinen 50ten Todestag 1968 angebracht.
- Gedenktafel am Geburtshaus des Dichters. Angebrachrt im Jahr 1982
- Benennung einer Schule nach ihm im Jahr 1969
[Bearbeiten] Werke
[Bearbeiten] Romane und Erzählungen
- Lingam (1909)
- Die geflügelte Erde (1910)
- Maja (1911)
- Raubmenschen (1911)
- Die acht Gesichter am Biwasee (1911)
- Der Geist meines Vaters (1912)
- Gedankengut aus meinen Wanderjahren (1913)
- Geschichten aus den vier Winden (1915)
- Das Märchenbuch der heiligen Nächte im Javanerlande (1921)
- Erlebnisse auf Java (1924)
- Josa Gerth (1925)
- Fernöstliche Geschichten (1930)
- Der Garten ohne Jahreszeiten und andere Geschichten (1954)
- Die schönsten Geschichten (1956)
- Sieben Meere nahmen mich auf (1957)
- Frühe Prosa (1967)
[Bearbeiten] Dramen
- Die Spielereien einer Kaiserin (1910)
- Maja : skandinavische Bohême-Komödie in drei Akten (1911)
- Ein Schatten fiel über den Tisch (1911)
- Frau Raufenbarth (1911)
- Die Heidin Geilane (1925)
- Das Kind (1925)
[Bearbeiten] Lyrik
- Ultra-Violett (1893)
- Schwarze Sonne Phallus (1897/ 1910)
- Reliquien (1899)
- Die ewige Hochzeit – Der brennende Kalender (1905)
- Singsangbuch (1907)
- Lusamgärtlein (1909)
- Weltspuk (1910)
- Gesammelte Gedichte (1930)
[Bearbeiten] Briefe
- Letzte Reise (1926)
- Mich ruft dein Bild (1930)
- Ein Herz im Lärm der Welt (1933)
- Sterngespräch. Briefe an die Schwester. Gedichte, Würzburg (Osthoff) 1996, ISBN 3-9805298-1-9
[Bearbeiten] Werkausgabe
- Gesammelte Werke (6 Bände, 1925)
[Bearbeiten] Literatur
- Wilhelm Annecke: Max Dauthendey als Dramatiker. Univ. Diss. Halle 1934.
- Kurt Illing (Hrsg.): Auf den Spuren der Dichter in Würzburg. Hugendubel, Würzburg 1992.
- Gabriele Geibig: Der Würzburger Dichter Max Dauthendey (1867-1918). Sein Nachlaß als Spiegel von Leben und Werk. Schriften des Stadtarchivs Würzburg. Bd 9. Schöningh, Würzburg 1992. ISBN 3-87717-766-2
- Hermann Gerstner (Hrsg.): Sieben Meere nahmen mich auf. Lebensbild Max Dauthendeys mit Dokumenten aus dem Nachlaß. Ullstein-Buch. Bd 22238. Ullstein, Berlin 1990. ISBN 3-548-22238-2
- Hermann Gerstner: Max Dauthendey und Franken, in Frankenland 1993, S. 1 ff. (online)
- Günther Hess: Max Dauthendey 1867-1992, Reden zu seinem 125. Geburtstag. Osthoff, Würzburg 1992. ISBN 3-9802568-6-3
- Georg Hippeli: Mit Dauthendey durchs Jahr. Mainfrankens Natur im Spiegel von Dauthendeys Lyrik. J.H.Röll, Dettelbach 2006. ISBN 3-89754-266-8
- Georg Hippeli (Hrsg.):Ich habe dir so viel zu sagen... Liebe, Lust und Leidenschaft in Gedichten von Max Dauthendey. J.H.Röll, Dettelbach 2008. ISBN 3-89754-287-0
- Edmund Klaffki: Max Dauthendeys lyrische Anfänge. Ultra Violett und frühe Lyrik nach den Handschriften aus dem Nachlaß. Mag.-Arb. Frankfurt an Main 1975.
- Carl Mumm: Max Dauthendeys Sprache und Stil. Frankfurt am Main 1925.
- Daniel Osthoff: Max Dauthendey. Eine Bibliographie. Osthoff, Würzburg 1991. ISBN 3-9802568-2-0
- K. Seyfarth: Das erzählerische Kunstwerk Max Dauthendeys. Marburg an der Lahn 1960.
- Elisabeth Veit: Fiktion und Realität in der Lyrik. Literarische Weltmodelle zwischen 1890 und 1918 in der Dichtung Max Dauthendeys, Richard Dehmels und Alfred Momberts. Univ. Diss. München 1987.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Gedichte auf zgedichte.de
- Foto der Grabstelle auf dem Würzburger Hauptfriedhof
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