St. Johannes im Stift Haug

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Kirche St. Johannes im Stift Haug

Die barocke Kirche St. Johannes im Stift Haug, meist kurz als "Stift Haug" bekannt, befindet sich in der Würzburger Altstadt, an der Bahnhofstraße. Der Name entstand durch das ehemals zugehörige Kollegiatstift und durch den früheren Standort auf einem Hügel vor den Toren der Stadt. Die Kirche ist Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten geweiht.

Die Kirche ist besonders wegen ihrer 65-Meter-Kuppel stadtbildprägend. Kuppeln sind in der Region eher selten (mal von der Residenz abgesehen) und noch dazu in dieser Größe auch in ganz Deutschland nicht oft vorhanden. Sie ist auch Bestandtteil im Stadt-Logo.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die Geschichte des Stifts geht auf eine unter Bischof Heinrich I. errichtete Kapelle in der Weinlage Schalksberg zurück. Sie entstand vermutlich um 997, wurde im Jahr 1002 als Sitz der Gemeinschaft der "Herren vom Berg" wiedergegründet. Nach ihrer Lage wurde sie "in Haugis" (houg = althochdeutsch für Hügel) genannt. Der Kirche wurde ein Kollegiatsstift als Altersruhesitz für Kanoniker hinzugefügt. Der Standort des Stift war am heutigen Hauptbahnhof. Um das ungeschützt vor den Toren der Stadt auf einem Hügel liegende Stift entstand die Vorstadt "Haug". Die Kirche wurde mehrfach geplündert, zuletzt während des Bauernkriegs. Nahe der Stiftskirche war zwischenzeitlich noch eine dreischiffige Pfarrkirche Haug errichtet und 1591 durch Julius Echter von Mespelbrunn geweiht worden. Das teils abgerissende romanische Gebäude der Stiftskirche wurde dann nochmals aufgebaut und 1637 neu geweiht.

Kurze Zeit später, als die barocke Stadtbefestigung Würzburgs Mitte des 17. Jhd. geplant und ausgeführt wurde, stand der Gebäudekomplex den Baumaßnahmen im Wege. Beide Kirchen wurden komplett abgebrochen und der Hügel abgetragen. Am heutigen Standort wurde dafür eine neue Kirche mit Stiftsgebäuden errichtet. 1670 legte Johann Philipp von Schönborn den Grundstein für die Kirche, der Bau war 1691 vollendet. Es war der erste große Kirchenbau der Barockzeit in Franken, die 60 m hohe Kuppel wurde jener des Petersdoms in Rom nachempfungen. Die Kirche ist wohl das bedeutendste Werk des italienischen Architekten Antonio Petrini, der zu jener Zeit als fürstbischöflicher Baumeister in Würzburg tätig war.

1803 wurde infolge der Säkularisation das Kollegiatstift aufgelöst, die Kirche blieb als Pfarrkirche erhalten.

Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 brannte die Kirche. Die reiche barocke Innenausstattung wurde dabei zerstört. 1965 wurde mit der Weihe des neuen Hauptaltars unter der Kuppel die Phase des Wiederaufbaus abgeschlossen. Im Jahr 2005 wurde eine weitere Innenrenovierung mit Einbringung neuen Inventars durchgeführt. In den neuen Altarstein wurden Reliquien der fränkischen Heiligen Burkard, Bruno und Liborius Wagner eingelassen.

[Bearbeiten] Außenansicht

Der Grundriss der von Antonio Petrini projektierten Kirche hat die Form eines lateinisches Kreuzes. Die Länge beträgt 62m. Die über der Vierung der Kirche ausgeführte Kuppel hat eine Höhe von 65,5m und die Türme haben eine Höhe von 75m.

[Bearbeiten] Führung durch die Kirche

Tritt man durch den Haupteingang ein, so kommt man in einen seit 2004 von der Kirche durch eine Glaswand abgetrennten Vorraum. In diesen befinden sich seitlich hinter Gittern rechts und links Stiftermonumente. Diese zeigen die Bischöfe, die während des Baues Kirche - 1671-1691 - regierten und die Stiftsherrn, die dem Kollegiatstift während dieser Zeit angehörten.

Ein besonderes Kunstwerk ist das moderne Bronzekreuz von Dietrich Klinge: "...die Skulptur mag uns sagen, dass Christus keine anderen Arme als unsere hat, um heute in der Welt zu wirken."

Die in den Seitenkapellen nach der Renovierung 1991 neu angebrachten Altäre zieren zum Teil Bilder, die 1803 als Säkularisationsgut von Würzburg nach München verbracht wurden und nun hier wieder als Leihgaben hängen. Teilweise sind es Bilder des Würzburger Hofmalers Oswald Onghers (1628-1706), welcher auch für diese Kirche Bilder schuf, die aber 1945 zerstört wurden.

In diesen Seitenkapellen befinden sich auch Kreuzwegstationen des 19. Jahrhunderts, welche Peter Geist schuf. Diese erhielt die Stiftskirche Haug von der evangelischen Kirche St. Stephan.

Im linken (nördlichen) Seitenarm der Kirche in der 1. Seitenkapelle der östlichen Außenwand befindet sich in der Altarmensa ein vom Bildhauer Julius Bausewein nach dem Krieg konzipiertes Heiliges Grab.

Im rechten (südlichen Seitenarm) in der ersten Kapelle der östlichen Aussenwand ist eine gotische, jedoch barock überformte Madonna zu sehen.

Der Hauptaltar:
Der Wiederaufbau der Kirche fiel in das Zweite Vatikanum (Kirchenkonzil um 1965). Der Tisch des Herrn sollte danach ins Zentrum der Gemeinden gerückt werden. So wurde auch hier der zentrale Punkt unter der Kuppel als Platz für den neuen Hauptaltar geplant und ausgeführt.

Anstelle des ursprünglichen, 1945 zerstörten Hochaltares wurde ein eindrucksvolles Licht-Schatten Gemälde der Kreuzigung Christi über dem Altar errichtet; die Altargestaltung und Rahmung wurden von Franz Mikorey geplant und geschaffen. Das Gemälde, ursprünglich in der Augustinerkirche zu München, nun als Leihgabe der Staatsgemäldesammlung hier in dieser Kirche stammt von Jacopo Robusti genannt Tintoretto (29. September 1518 in Venedig, † 31. Mai 1594 in Venedig); diese eindrucksvolle Arbeit entstand 1585 in der letzten Schaffensperiode des bedeutendsten Maler Venedigs.

In der Kuppel erblickt man eine Taube.

Das im Chor neu gestaltete Chorgestühl stammt von der Schreinerwerkstätte Labisch in Unterpleichfeld.

Beim Hinausgehen erblickt man über den Haupteingang die 1971 eingerichtete Klais-Orgel, diese hat 45 klingende Stimmen und 3.262 aus Zinn und Edelholz geschaffene Pfeifen.

[Bearbeiten] Orgelkonzerte

In der Kirche finden häufig Orgelkonzerte von namhaften Organisten statt.

[Bearbeiten] Quellen

  • Gereon Becking, kleiner kunsthistorischer Leitfaden "Stift Haug"
  • Enno Bünz: Stift Haug in Würzburg. Untersuchungen zur Geschichte eines fränkischen Kollegiatstifts im Mittelalter. Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 128; Studien zur Germania Sacra 20. Göttingen 1998, ISBN 3-525-35444-4

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks