Würzburg im Zweiten Weltkrieg

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Die zerstörte Altstadt

Verlauf und Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs (1. September 1939 bis 8. Mai 1945) in Würzburg. Wenige Wochen vor Kriegsende wurde das Stadtgebiet großflächig durch massive Bombenangriffe zerstört.

Für weitere Informationen zur Zeit des Dritten Reichs in Würzburg siehe Würzburg in der Zeit des NS-Regimes.

Die Kriegsjahre in Würzburg[Bearbeiten]

Bereits seit der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Jahr 1933 war die Bevölkerung durch Propagandamaßnahmen auf den bevorstehenden Krieg vorbereitet worden. 1935 wurde mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in der Würzburger Stadtverwaltung das Wehramt eingerichtet. Ab dem Kriegsausbruch war dieses für die komplette Kriegsbewirtschaftung zuständig und verwaltete u.a. die Lebensmittelkarten. Zudem wurden 1939 weitere Kriegsämter eingerichtet: das Wirtschaft- und Ernährungsamt, Bezirksverteilungsstellen, das Stadtamt für Kriegsfürsorge, das Wehrleistungsamt, das Kriegsschädenamt und eine Fahrbereitschaft. Mit Kriegsbeginn wurde auch das Mainfränkische Museum geschlossen und mit der Auslagerung der Exponate begonnen. 1944 wurde schließlich die gesamte Stadtverwaltung deutlich reduziert und auf die Kriegssituation umgestellt. Weitere städtische Kulturbetriebe wie das Theater stellten ihren Betrieb ein. Der Fremdenverkehr war im Laufe der Kriegsjahre komplett zum Erliegen gekommen. Bautätigkeiten durften nur noch an unmittelbar kriegswichtigen Projekten durchgeführt werden. Etwa 430 Mitarbeiter der Stadtverwaltung wurden zur Wehrmacht eingezogen, weitere Männer und Frauen für Rüstungsbetriebe abgestellt.

Ab Herbst 1944 mussten auch nicht einberufene Männer Schanzdienste leisten, Schüler wurden zu Flakhelfern. Die Kreisleitung der NSDAP bekam von Hitler den Auftrag den Volkssturm für Unterfranken zu organisieren, was mit theoretischer und praktischer Ausbildung bis Februar 1945 durchgeführt wurde. Große Teile des aufgestellten Volkssturms wurden dann an die Ostfront verlegt und standen dem Kampf um die Stadt nicht zur Verfügung.

Ab 1942 wurde der Mangel an Dingen des täglichen Bedarfs immer deutlicher spürbar. Aktionen zum Energiesparen wurden gestartet. Für Waren, die nicht auf Karten zu erhalten waren, stiegen die Preise übermäßig an. Insgesamt konnte die Versorgung der Bevölkerung aber relativ gut bis zum Großangriff am 16. März 1945 aufrechterhalten werden.

Seit der nationalsozialistischen Herrschaft fanden auch in Würzburg die repressiven Maßnahmen des totalitären Regimes Anwendung. Durch die Gestapo verfogt und bekämpft wurde alles, was als staatsgefährdend erachtet wurde. 1941 wurde sie personell deutlich reduziert und der Staatspolizeistelle Nürnberg-Fürth zugeordnet. Ab September 1942 bestand für die Landgerichtsbezirke Würzburg und Aschaffenburg ein Sondergericht für Verfahren gegen die sogenannten „Volksschädlingsverordnung“ und die Kriegswirtschaftsverordnung.

Zwischen 1941 und 1943 gab es insgesamt sechs Judendeportationen aus dem Stadtgebiet. Die meisten der 2063 Juden wurden in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. 1943 wurde in Würzburg eines der 92 Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg angesiedelt. Dort waren 28 bis 50 Personen inhaftiert.

Im Verlauf der Kriegsjahre wurden 13 Kriegsgefangenenlager in der Stadt eingerichtet, die dort untergebrachten Russen, Franzosen und Belgier waren als Arbeitskräfte gefragt. Darüber hinaus kamen auch ca. 6000 bis 9000 Fremdarbeiter in Industrie und Gewerbe zum Einsatz. Auch Zwangsarbeiter, darunter insbesondere jüdische Einwohner, wurden zahlreich beschäftigt.

In Würzburg waren Krankenhäuser, Lazarette und Notlazarette mit einer Kapazität von 6000 Betten angesiedelt. Sie waren im Verlauf der Kriegsjahre deutlich überbelegt, selbst in den Felsenkellern wurden noch Kranke und Verwundete untergebracht. Dennoch war Würzburg nicht als offizielle Lazarettstadt anerkannt. Denn es gab auch einen militärischen Flugplatz und Kasernen, hier war insbesondere die bedeutende 2. Panzerdivision stationiert. Aber auch rüstungsrelevante Betriebe fanden sich im Stadtgebiet. Dazu zählten u.a. Koenig & Bauer und Noell, eine Munitionsanstalt sowie aus Schweinfurt verlagerte Betriebe. Selbst die städtischen Eigenbetriebe wurden in die Rüstungsproduktion aktiv einbezogen. Angriffsziel war Würzburg auch als Verkehrsknotenpunkt mit Hafen- und Bahnanlagen.

Spätestens ab dem ersten größeren Luftangriff vom 21. Juli 1944 wurde klar, dass Würzburg zu den konkreten Zielen der aliierten Streitkräfte gehörte. Am 23. Januar 1945 wurde die Stadt erstmals in die Liste für potentiellen Flächenangriffe gesetzt. In den Planungen wurde dem Ziel auf Grund der Bebauungssituation der Altstadt eine hohe „Zerstörungseffizienz“ zugeschrieben. Man rechnete damit dass sich durch relativ wenig Mitteleinsatz ein großflächiger Feuersturm auslösen lassen würde. Am 8. Februar fand sich der Name Würzburg bereits auf Platz 10 der Liste des „Combined Strategic Target Committee“ und war damit offiziell als Ersatzziel deklariert.

Altstadt mit Stift Haug

Am 16. März 1945 wurde durch Bomber der Royal Air Force zwischen 21.25 und 21.42 Uhr mittels eines Flächenangriffs ein Feuersturm ausgelöst. Etwa 90% der Würzburger Innenstadt und 68% der Randgebiete wurden dabei zerstört, mindestens 5.000 Menschen starben. Die Überlebenden flüchteten in das Umland, in den Folgemonaten lebten von vormals 108.000 nur noch etwa 5.000 Menschen in der Stadt. Es folgten jedoch noch weitere Luftangriffe bis zur Eroberung der Stadt duch die amerikanischen Truppen Anfang April. Am 1. April 1945 stießen die ersten Panzer des XXI. Korps der 7. US-Armee bis zum Nikolausberg vor. In der Nacht zum 2. April erreichte das 222. US-Infanterieregiment das Mainufer unterhalb der historischen Festung. Alle Brücken waren als Verteidigungsmaßnahme bereits gesprengt, die Stadtmitte großflächig zerstört.

Im Morgengrauen des 3. April überschritt die 42. Infanteriedivision den Fluss im Bereich der Löwenbrücke und griff im Laufe des 4. April die Verteidiger in der rechtsmainischen Stadt mit drei Infanterieregimentern an. An der Bahnlinie Frankfurt-Würzburg-Nürnberg gruben sich Wehrmachtsoldaten ein, um eine neue Auffanglinie zu bilden. Die US-Regimenter 222, 232 und 242 kämpften sich von Haus zu Haus durch die zerstörten Viertel vor und eroberten schließlich die gesamte Stadt. Am 6. April war Würzburg in amerikanischer Hand. Am 14. April wurde die NSDAP in Unterfranken offiziell aufgelöst.

Luftschutzmaßnahmen[Bearbeiten]

Erste Luftschutzmaßnahmen wurden unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung eingeleitet. 1934 fanden bereits Luftschutzübungen statt, 1936 wurde die Dienststelle Luftschutz eingerichtet. Deutlich vorangetrieben wurden die Maßnahmen aber erst nach dem ersten Luftangriff vom 21. Februar 1942. Es folgte die Errichtung zahlreicher Feuerlöschteiche, ab 1943 entstanden zusätzliche Luftschutzkeller und Splittergräben.

Als Luftschutzräume (LSR) dienten hauptsächlich private Keller, an einigen Standorten gab es auch öffentliche Schutzräume (SR). Mauerdurchbrüche sollten zusätzliche Fluchtmöglichkeiten bieten. Die Lage der Zugänge für LSR und SR waren auf den Hauswänden mit großen weißen Pfeilen angemalt.

Einen größeren Betonbunker gab es jedoch nur am Letzten Hieb für das Personal der Luftschutz-Befehlsstelle und Kommandozentrale. Deren zweigeschossiger Backsteinbau befand sich gegenüber auf der anderen Straßenseite. Beide Einrichtungen lagen natürlich in der Nähe der Villa des Gauleiters Otto Helmuth in der Rottendorfer Straße.

Luftangriffe[Bearbeiten]

Mainviertel und Festung Marienberg
Domviertel

Luftangriffe der Alliierten auf Würzburg und die zwischenzeitlich eingemeindeten Orte:

  • 21. Februar 1942 (RAF) 20 Hampton-Bomber fliegen „Störangriffe“ auf süd- und südwestdeutsche Städte. Vier Bomben treffen dabei nahe des Südbahnhofs auf, richten aber keinen größeren Schaden an.
  • 21. Juli 1944 (USAAF): Während eines Luftangriffs auf Schweinfurt dreht ein Verband von acht B17-Bombern versehentlich in Richtung Würzburg ab und bombardiert das Stadtgebiet zwischen Löwenbrücke, Leistenstraße und Nikolausstraße mit 20 Tonnen Sprengbomben. Im Bereich der Löwenbrücke wurde hauptsächlich das Wohngebiet getroffen. Durch die etwa 50 Bomben sterben 32 Menschen, 77 werden verwundet, 3 verschüttet. Käppele und Stationsweg bleiben unbeschädigt.
  • 4. Februar 1945 (RAF - zwei De Havilland Mosquito des 128. Geschwaders der 8. Pathfinder-Gruppe, 19.45 Uhr): Eine Detonation auf dem Main richtet deutliche Schäden entlang der Löwenbrücke an. Die Druckwelle schädigt Häuser am Sanderring, Fensterscheiben in der Sanderau und Altstadt gehen massenweise zu Bruch. Da kein Luftalarm gegeben wurde, waren viele Menschen im Umkreis unterwegs. Wie viele hier ums Leben kamen wurde nicht bekannt; man schätzte 20 Tote [1]. Wenige Minuten nach dem ersten Einschlag fordert eine weitere Explosion an der Grombühler Schiestlstraße neun Todesopfer.
  • 5. Februar (RAF - vier De Havilland Mosquito): Vier Minen treffen Häfnergasse/Bronnbachergasse, Ständerbühlstraße, den Katzenberg und das freie Feld bei den Hafenanlagen in Richtung Zell am Main.
  • 12. Februar (RAF - vier De Havilland Mosquito, ca. 20 Uhr): Vier Minen treffen Greinberg, Zeller Verladebahnhof und äußere Bereiche von Unterdürrbach, es entsteht nur geringer Schaden.
  • 19. Februar (RAF - sechs De Havilland Mosquito, ab 22.20 Uhr): Die abgeworfenen vier Minen treffen Juliuspromenade, Kürschnerhof (mit Zerstörungen in Domstraße und Blasiusgasse), Eichhornstraße und die Rotkreuzstraße Ecke Harfenstraße. 112 Menschen kommen ums Leben.
  • 23. Februar (USAAF- drei Verbände mit insgesamt 37 B17-Bombern, 12.50 Uhr). Beginn der alliierten Offensive mit systematischer Zerschlagung der Eisenbahnknotenpunkte. In Würzburg wird an diesem Tag das gesamte Bahngelände zwischen Grombühlbrücke und Bahnpostamt inkl. Hauptbahnhof und Güterhallen durch etwa 250 schwere Bomben [2] zerstört. Einige Sprengbomben treffen auch die Haugerglacisstraße, Neutorstraße und den Stadtteil Grombühl. Auch der Bahnhof Zell brennt aus. 178 Menschen werden getötet, 84 verwundet und 80 verschüttet.
  • 3. März (RAF - 32 De Havilland Mosquito, ca. 20 Uhr): Ziel der 1000 kg-Luftminen von zwei Metern Länge [3] sind alle Würzburger Stadtviertel. 86 Menschen sterben bei dem Angriff.
  • 5. März (RAF - De Havilland Mosquito, 20.30 Uhr): Kleinangriff auf das Wohngebiet um die Kirche „Unsere Liebe Frau“, mehrere Tote.
  • 16. März 1945 - RAF-Großangriff mit Zerstörung von 85% der Bausubstanz. Ca. 5 000 Menschen sterben bei dem Angriff. Auch Heidingsfeld wird schwer getroffen.
  • 20. März : Tieffliegerangriff auf Heidingsfeld
  • 22. März (USAAF - acht B24-Bombern) Angriff auf Bahnanlagen und auf die Zellerau
  • 23. März (USAAF) - Luftangriff auf das Areal der Nürnberger Straße und Gemeinde Zell
  • 26. März (USAAF - elf B17-Bomber und B26-Bomber): Luftangriff auf die Kernstadt und Bahnanlagen. Auch Versbach wird an diesem Tag angegriffen, dort werden sieben Einwohner getötet und 150 Häuser zerstört.
  • 31. März (USAAF - B26-Bomber) vormittags Luftangriffe auf Bahnanlagen, Hauptbahnhof, Munitionslager im Hexenbruch und Kasernenanlagen in Zellerau. Um 17.15 Uhr nochmals Luftangriff auf Gemeinde Zell und auf Unterdürrbach, das schwer verwüstet wird. Hier sterben 78 Personen.
  • 1. April (Ostersonntag) 12 Uhr, amerikanische Jagdbomber greifen die Zellerauer Kasernen-Flak an.
  • 2. April (Ostermontag) 10 Uhr, amerikanische Jagdbomber greifen die Flak in der Zellerauer Kaserne an. Um 16 Uhr ist die linksmainische Seite von der US-Army besetzt - alle Brücken sind jetzt gesprengt.
  • 3. April Flussüberquerung und Einnahme der Stadt durch die 42. US-Infanteriedivision.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemeines zur Kriegszeit in Würzburg
  • Peter Weidisch: Würzburg im Dritten Reich ab S. 196, Abschnitt Würzburg im Krieg ab S. 264
  • Ulrich Wagner: Die Eroberung Würzburgs im April 1945 ab S. 294
  • Dieter W. Rockenmaier: Das Dritte Reich und Würzburg. Versuch einer Bestandaufnahme. Würzburg, Mainpresse Richter, 1983.
  • Fries, Pagel, Roedig, Scheidenberger (Hrsg.): Würzburg im Dritten Reich, Ausstellungskatalog, Würzburg 1983, ISBN 3-88479-114-1
  • Hans Oppelt (Hrsg. im Auftrag des Stadtrates Würzburg): Würzburger Chronik 1945. Schöningh, Würzburg 1947
Luftangriffe und Luftschutz
  • Max Domarus: Der Untergang des alten Würzburg und seine Vorgeschichte. Selbstverlag, Wiesentheid 1950
  • Max Domarus: Der Untergang des alten Würzburg im Luftkrieg gegen die deutschen Großstädte. Siebente erweiterte Auflage, Verlag Franz Teutsch, Gerolzhofen 1995 (1. Auflage 1982). ISBN 3-921863-16-3 (Stadtbücherei Dek 3 Dom)
  • Hermann Knell: Untergang in Flammen. Strategische Bombenangriffe und ihre Folgen im Zweiten Weltkrieg. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 12. Schöningh, Würzburg 2006. (Stadtbücherei Dek 3 Kne). Darin spezifische Betrachtung der Würzburger Situation S. 3-35
Weitere Literatur

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roland Flade: Zukunft, die aus Trümmern wuchs. Main-Post, Würzburg 2009, S. 57 (gemäß Hermann Knell: Untergang in Flammen)
  2. Roland Flade: Zukunft, die aus Trümmern wuchs. Main-Post, Würzburg 2009, S. 55-57 (Erinnerungen von Albrecht Stock und Ilse Schiborr)
  3. Roland Flade: Zukunft, die aus Trümmern wuchs. Main-Post, Würzburg 2009, S. 59 (aus den Erinnerungen von Otto Seidel)