St. Maternus (Güntersleben)

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Katholische Pfarrkirche St. Maternus in Güntersleben (Nordansicht)
St. Maternus (Ostansicht)

Die katholische Pfarrkirche St. Maternus liegt in der Ortsmitte von Güntersleben an der Hauptstraße.

Patronat[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche ist dem hl. Maternus von Köln († um 328) geweiht. Maternus ist der erste historisch gesicherte Bischof von Köln und er nahm an den Synoden von 313 in Rom und 314 in Arles teil. Patrozinium ist am 14. September.

Geschichte[Bearbeiten]

Soweit die Nachrichten zurückreichen, war Güntersleben zunächst Filialpfarrei von Veitshöchheim, das 1097 durch bischöfliche Schenkung dem Benediktinerkloster St. Stephan in Würzburg zugesprochen worden war. Um diese Zeit gab es schon eine erste Kirche oder Kapelle, die dem Heiligen Laurentius geweiht war und auf dem Gelände des heutigen Dürrbachparks gestanden hat. Überreste der Ruine wurden 1688 beim Bau des Pfarrhauses verwendet. Aus der Zeit um 1100 stammen die ältesten Teile der heutigen Pfarrkirche, die, in romanischem Baustil angelegten, unteren Geschosse des Turms.

1345 wurde Güntersleben eine eigenständige Pfarrei. In der Gründungsurkunde wurde die schon damals Maternus geweihte Kirche zur Pfarrkirche bestimmt. In das Jahrhundert der Pfarreigründung ist der Bau des gotischen Chors der Pfarrkirche zu datieren. In seiner Größe ist er ausgelegt auf ein stattliches Bauwerk mit erstaunlichen Dimensionen für ein kleines Dorf, wie es Güntersleben damals war.

1688 wurde der Pfarrhof durch das Benediktinerkloster St. Stephan als Dienstsitz und Wohnung für die Seelsorger aus dem Kloster gebaut. Im 18. Jahrhundert erhielt die Kirche eine neue Innenausstattung im Stil des Barock und Rokoko. Nach der Auflösung des Klosters durch die Säkularisation ging der Pfarrhof 1802 in Staatseigentum über und ist seit 1867 Eigentum der katholischen Kirchengemeinde Güntersleben.

Wehrkirche[Bearbeiten]

Die Kirche war ursprünglich als Wehrkirche angelegt, wie aus ihrer Stellung hoch über dem Dorf und ihrer Umgebung auch heute noch erkennbar ist. Der innere Bezirk des heutigen Kirchplatzes war durch Gaden und Mauern umschlossen. Auf diesen einstigen Befestigungsring, von dem heute nichts mehr erhalten ist, stehen heute das Pfarrhaus, das alte Rathaus und das Kolpinghaus.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das Kirchengebäude ist eine dreischiffige Pseudobasilika mit eingezogenem Chor und südlichem Kirchturm mit Spitzhelm. Die oberen Turmgeschosse und die Turmspitze wurden 1602 unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn aufgesetzt. Der Turm erhielt dadurch seine heutige Höhe von 47 Metern. Der Chorraum ist spätgotisch und stammt aus dem Jahr um 1400.

1902 wurde das Langhaus bis auf die Wand zum Kirchplatz mit dem gotischen Tympanon über dem Mitteleingang abgebrochen und ein größeres Hauptschiff mit zwei Seitenschiffen gebaut. Das rechte Seitenschiff wurde erst 1952 vollendet. Die letzte Erweiterung erfolgte 1953 durch Verlängerung des verkürzten rechten Seitenschiffs. Das heutige Langhaus besteht aus Mittelschiff, zwei Seitenschiffen und Empore.

Außenansichten[Bearbeiten]

Kircheninnenraum[Bearbeiten]

Hochaltar[Bearbeiten]

Der Hochaltar ist, wie die Altäre der beiden Seitenschiffe, die Kanzel, die Kreuzwegstationen und das Chorgestühl, ein Werk im Stil der Neugotik und wurde nach der Kirchenerweiterung 1910 geschaffen. Die vier Bildtafeln über dem Altartisch sowie die figürliche Kreuzigungsgruppe darüber mit Johannes und der Gottesmutter Maria zeigen die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes [1]. Auf der Rückseite der Altarflügel befinden sich Szenen aus dem Alten Testament.

An der Altarspitze ist der Kirchenpatron St. Maternus dargestellt. Eine eindeutige Bestimmung, ob es sich bei den beiden Figuren darunter, links und rechts der Kreuzigungsgruppe, um seine beiden Gefährten Eucharius und Valerius oder den heiligen Kilian und Burkard handelt, lässt sich nicht vornehmen.

Altäre der Seitenschiffe[Bearbeiten]

Der Marienaltar auf der linken Seite aus dem Jahre 1910 zeigt vor dem Bild Günterslebens die Schutzmantelmadonna, unter deren weitem Mantel geistliche und weltliche Würdenträger Platz finden. Auf den geschlossenen Bildtafeln ist die Verkündigungs Mariens dargestellt. Auf dem oberen Teil des Altars sieht man die Heilige Barbara und Margaretha, beides Heilige, die zur Zeit der Aufstellung des Altars 1910 sehr volkstümlich waren.

Im rechten Seitenschiff steht der Sebastianusaltar aus dem Jahre 1909. Der Heilige nimmt den zentralen Platz im Altar ein, links und rechts von ihm stehen der heilige Nikolaus und Bonifatius, darüber der heilige Josef. Auf den Flügelbildern sind die heiligen Diakone Stephanus und Laurentius dargestellt, Stephanus als Namensparton des Stephansklosters, dem die Pfarrei bis 1802 zugeordnet war, Laurentius als Patron der ersten Kirche in Güntersleben.

Maternusaltar in der Turmkapelle[Bearbeiten]

Zur früheren Innenausstattung aus der Barock- und Rokokozeit, die die Kirche bis 1902 hatte, gehört der Altar mit der Darstellung des Kirchenpatrons St. Maternus. Er entstand 1750 in der Werkstatt des Würzburger Hofbildhauers Johann Georg Wolfgang van der Auwera.

Marienaltar der Chorkapelle[Bearbeiten]

Aus dem Jahr 1759 stammt der von Johann Peter Wagner geschaffene Altar zur schmerzhaften Muttergottes in der links im Chor eingelassenen Seitenkapelle.

Kanzel[Bearbeiten]

Die Kanzel wurde, wie die übrige Ausstattung der Kirche, aus der Zeit nach der Erweiterung zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Jahre 1904 geschaffen und entstammt der Würzburger Bildhauerwerkstätte von Franz Wilhelm Driesler. An der Kanzelbrüstung finden wir neben dem zentral angeordneten Relief Christi die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes mit ihren jeweiligen Symbolen. [1] Auf dem Schalldeckel sind die vier Kirchenlehrer Ambrosius, Gregor, Augustinus und Hieronymus und zwei Propheten des Alten Testaments zu sehen. Eine Madonna im Strahlenkranz bekrönt die Kanzel.

Zelebrationsaltar und Ambo[Bearbeiten]

Der neue Zelebrationsaltar und Ambo für die Lesungen wurden 1974 von dem Vasbühler Künstler Julian Walter geschaffen.

Lächelnde Madonna[Bearbeiten]

Die lächelnde Madonna an der rechten Säule zum Abschluss des Chorraums gehört zu einer Gruppe ähnlicher Werke, die um 1375 im Rheinland entstanden sind. Sie ist der älteste Kunstgegenstand in Güntersleben und zeigt eine lächelnde Madonna mit dem am Daumen lutschenden Jesuskind auf ihrem Arm.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel ist ein Werk der Firma Steinmeyer aus Oettingen aus dem Jahre 1972. Sie besitzt 20 Register und 1326 Pfeifen auf zwei Manuale und Pedale verteilt.

Innenansichten[Bearbeiten]

Unterfränkischer Jakobsweg[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche liegt am „Unterfränkischen Jakobsweg“.

Seelsorger (Auszug)[Bearbeiten]

Pfarreiengemeinschaft[Bearbeiten]

PG Güntersleben Thüngersheim Logo.jpg

Die Pfarrei St. Maternus in Güntersleben bildet zusammen mit der Pfarrei St. Michael (Thüngersheim) seit 1. September 2003 die Pfarreiengemeinschaft Güntersleben-Thüngersheim.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Symbole der Evangelisten
    Auf vielen Bildern werden die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen dargestellt: Matthäus mit einem Menschen oder Engel, Markus mit einem Löwen, Lukas mit einem Stier, Johannes mit einem Adler. Diese vier Bilder sind der Offenbarung des Johannes (4, 6) entnommen, wo es in einer Vision des Gottesthrones heisst: „Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.“ Auch die Darstellung der vier Wesen mit Flügeln ist dieser Bibelstelle entnommen. Der Kirchenlehrer Hieronymus (347 bis 419) ordnete die vier Lebewesen den einzelnen Evangelisten zu, indem er auf die Anfänge ihrer Evangelien verwies: Matthäus beginnt mit dem Stammbaum und der Menschwerdung Jesu, daher der Mensch. Markus stellt an den Anfang seines Textes die Bußpredigt des Johannes, der wie ein Löwe seine Stimme in der Wüste erschallen lässt. Lukas berichtet zuerst vom Opferdienst des Priesters Zacharias, so dass der Stier als Opfertier zu seinem Attribut wurde. Und Johannes schließlich beginnt mit dem Prolog über das Wort Gottes und schwingt sich in einer Art „geistigem Höhenflug“ wie der Adler in Höhen, die die anderen nicht erreichen.
    Außer dieser Zuordnung zu den Evangelisten symbolisieren alle vier Wesen in der gemeinsamen Darstellung Jesus Christus selbst, dessen vier wichtigste Heilstaten in den Evangelientexten bezeugt werden: Der Mensch ist Abbild der Menschwerdung, der Stier bedeutet seinen Opfertod, der Löwe die Auferstehung und der Adler seine Himmelfahrt.
    (Quelle: Würzburger Katholisches Sonntagsblatt)

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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