Lusamgärtchen

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Lusamgärtchen mit romanischem Kreuzgangflügel und Vogelweide-Gedenkstein
Grabmal von Walther von der Vogelweide
Der Kreuzgang im Lusamgärtchen

Das Lusamgärtchen ist der ehemalige Kreuzganghof des Neumünsterstifts. Dort befindet sich ein Flügel eines romanischen Kreuzgangs und ein Gedenkstein für Walther von der Vogelweide. Das Lusamgärtchen befindet sich direkt hinter dem Neumünster und ist von der Martinstraße aus zugänglich. Der mit Bäumen und Pflanzen (insbesondere Efeu) bewachsene Hof bildet eine ruhige Oase mitten in der Innenstadt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kreuzgang

Erhalten blieb hier ein Flügel des romanischen Kreuzgangs, welcher Ende des 12. Jhd. aus rotem Sandstein errichtet wurde. Die daran befindlichen Reliefs gehören zu den ältesten erhaltenen figürlichen Plastiken in Würzburg. Die Figuren stellen Christus als Allherrscher und St. Kilian in bischöflicher Kleidung dar. Die Bögen waren in einem angrenzenden Wirtschaftsgebäude des Stifts verbaut (wenig nördlich des jetzigen Standortes) und beim Abriss desselben in den 1880er Jahren entdeckt worden.

Anfang des 20. Jhd. wurde der Kreuzgangrest im "Fränkischen Luitpoldmuseum" (Vorgänger des Mainfränkischen Museums) an der Maxstraße 4 aufgebaut. Das Gebäude wurde beim Luftangriff 1945 zerstört, der Kreuzgang im Museumsgarten blieb unversehrt. 1953 wurde er wieder ins Lusamgärtchen versetzt.

[Bearbeiten] Grashof

Der Hof muss schon in früheren Jahrhunderten eine Grünfläche umfasst haben, da er zunächst auch "Grashof" genannt wurde. Einst diente der Ort als Begräbnisstätte der Stiftsherren. Walther von der Vogelweide verbrachte im Stift seinen Lebensabend und wurde hier um 1230 begraben.

[Bearbeiten] Vogelweide-Gedenkstein

1930 ließ die Stadt im Lusamgärtchen einen Gedenkstein für den berühmten Minnesänger errichten. Der Muschelkalkblock wurde von Fried Heuler gestaltet. Eine rundumlaufende Inschrift zitiert einen Spruch von Hugo von Trimberg: "Herr Walther von der Vogelweide, swer dez vergaeze, der taet mir leide". Auf der Oberfläche sind Vertiefungen für Wasser und Körner eingearbeitet. Dies nimmt Bezug auf den überlieferten Wunsch des Sängers, die Vögel an seinem Grab zu füttern. Auf dem Stein finden sich häufig Rosen oder kleine Blumensträußchen. Denn es heißt, wer Blumen auf dem Gedenkstein ablegt, würde Linderung seines Liebeskummers erfahren.

[Bearbeiten] Das Lusamgärtchen als Handlungsort in Romanen

In einigen Romanen tritt das Lusamgärtchen auch als Ort der Handlung in Erscheinung. Uwe Klausner lässt seinen Protagonisten Bruder Hilpert das Lusamgärtchen als "Hort des Friedens und der Ruhe" erleben[1]: "[Er] sog den Duft der Rosensträucher, Ginsterbüsche und Kräuterbeete begierig ein. Der Geruch von Salbei, Thymian und Minze verlieh ihm neue Energie, genau wie die Schatten spendenden Arkaden des Kreuzgangs, unter denen er sich wie zu Hause fühlte." Bruder Hilpert lässt in seiner Beschreibung den Grashof im Jahr 1416 lebendig werden und nimmt auch Bezug auf das Grab Walther von der Vogelweides, welchen er als "größten Poet, den die deutschen Lande bislang hervorgebracht haben" bezeichnet: "Dort wimmelte es geradezu von Rotkehlchen, Mauerseglern und Buchfinken, die aus dem Napf neben der verwitterten Inschrift tranken."

In Günther Huth’s Würzburg-Krimi Der Schoppenfetzer und der Tod des Nachtwächters [2] dient das Lusamgärtchen als geheimer mitternächtlicher Treffpunkt des Ex-Kommissars Rottmann mit der "Bruderschaft der Kilianäer".

[Bearbeiten] Historische Aufnahmen

Historische Fotografien des Kreuzgangs finden sich auf der Internetseite "bildindex.de"[1], Schlagwort "Lusamgarten". Einige Bilder stammen von ca. 1883 (Auffinden des Kreuzgangs), andere aus der Zeit im Garten des Luitpoldmuseums (1903-1946).

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Quellen

  • Gärten und Grünanlagen in Würzburg. Ihre Entwicklung und Bedeutung. Staatsarchiv Würzburg 1990. ISBN 3-921635-15-2
  • Kunstführer Würzburg und Mainfranken. HB Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Hamburg 1983
  • Würzburg. Geschichte einer Stadt. Von Peter Moser, Babenberg Verlag, Bamberg 1999, ISBN 3-933469-03-1
  1. Uwe Klausner: Die Kiliansverschwörung. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2008. ISBN 978-3-89977-768-0, S. 252f
  2. Günther Huth: Der Schoppenfetzer und der Tod des Nachtwächters. Verlag Peter Hellmund, 2004, ISBN 3-9808253-4-5

[Bearbeiten] Kartenausschnitt

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