Richard Rother

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Richard Rother
Richard Rother: Trinkerrunde - sieben Männer, Holzschnitt, um 1970
Richard Rother:Durstiger Häcker

Richard Rother (* 8. Mai 1890 in Bieber/Main-Kinzig-Kreis; † 2. November 1980 in Fröhstockheim/Lkr. Kitzingen) war Bildhauer, Holzschneider und Graphiker.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Der Bildhauer Klaus Rother ist sein zweitältester Sohn.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Richard Rother wurde am 8. Mai 1890 in Bieber im Spessart als Sohn eines Amtsgerichtsrates geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte er auf das Humanistische Gymnasium in Hadamar, einer Stadt in der Nähe von Limburg an der Lahn zwischen Köln und Frankfurt am Main am Südrand des Westerwaldes. Schon von Jugend an wollte Rother Künstler werden. Nachdem er einen unsympathischen Lehrer auf einem Drachen, den er in die Luft steigen ließ, abkonterfeit hatte, wurde er der Schule verwiesen, was für ihn bedeutete, dass nunmehr der Weg für eine künstlerische Ausbildung frei war.

Richard Rother lernte zunächst an der Nürnberger Kunstgewerbeschule [1], wo er unter anderem von Rudolf Schiestl unterrichtet wurde. 1910 nahm Rother Unterricht an der Kunstakademie in München in der Bildhauerklasse von Professor Hermann Hahn [2]. Wegen des Todes seines Vaters und der geringen Witwenrente seiner Mutter konnte sich Rother die weitere Ausbildung aber nicht mehr leisten. Deshalb ging er in die Ateliers namhafter Bildhauer in München, Offenbach und Frankfurt am Main, wo er sein vielfältiges Können erwarb. Die Werkstattarbeit bei Professor Widmer in Nürnberg ergänzte Rothers Ausbildung in Holz, Stein und Stuck.

Einen Einschnitt in seinem Leben brachte der Erste Weltkrieg mit sich. An der Front wurde er 1917 in der Champagne verwundet und kam ins Lazarett nach Alexandersbad. Danach musste er wieder bei einem Ersatzbataillon in Regensburg antreten. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst kehrte er zurück zu seiner Mutter nach Limburg.

Nach dem Krieg führte ihn sein Weg durch eine zufällige Begegnung mit dem damaligen Kitzinger Bürgermeister Ludwig Graff nach Kitzingen. Er fand eine Wohnung in Fröhstockheim (Landkreis Kitzingen) und holte seine Mutter nach. Bald danach zog er in das „Doktorhäusle“, das zum Schloss des Barons von Crailsheim gehörte. Nach über 10 Jahren in Fröhstockheim musste er zur besseren Erreichbarkeit für seine Kunden nach Kitzingen ziehen. 1920 heirate Rother seine Frau Linde, geborene Mauer, die Tochter eines Forstmeisters aus Stadtprozelten, die als Lehrerin am Mädchenlyzeum in Kitzingen beschäftigt war. 1922 kam die erste Tochter Gertraud zur Welt.

Auf wenig kostspielige Weise wollte Rother seinen Freunden die Geburt seiner Tochter auf einem Holzschnitt mitteilen. Dieser Holzschnitt fand ungewöhnliche Resonanz. Fortan waren Rothers in Holz geschnittene Glückwünsche für alle Arten von Anlässen gefragt. Er beschäftigte sich in dieser Zeit intensiv mit grafischen Techniken und dem Holzschnitt. Seine Motive bezog er überwiegend aus dem heimatlichen Winzermilieu und dem fränkischen Weinbau, aber auch Ansichten unterfränkischer Orte waren bevorzugte Motive seiner Werke. Diese Holzschnitte wurden schließlich seine bekanntesten Werke.

In den Jahren 1931 bis 1945 war er Leiter der Bildhauerklasse an der damaligen Handwerker- und Zeichenschule des Polytechnischen Zentralvereins in Würzburg. Während der NS-Zeit zählten unter anderem Joseph Goebbels und die Familie des Gauleiters Otto Hellmuth zu seinen Auftraggebern. Rothers Graphiken transportierten in diesen Jahren auch NS-Propaganda und antisemitisches Gedankengut. Rother war 1933 der NSDAP beigetreten und erhielt 1938 auf der Gaukulturwoche den Tilman-Riemenschneider-Preis, welcher von den NS-Machthabern gestiftet worden war und den Heinz Schiestl ein Jahr zuvor erhalten hatte.

Von 1948 bis 1966 unterrichtete er wieder an der „Kunst- und Handwerkerschule Würzburg“. 1962 bis 1969 hatte er seinen Wohnsitz in Würzburg, bevor er wieder nach Kitzingen zog.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Erinnerung an Rother[Bearbeiten]

  • In Kitzingen war eine Realschule zeitweise nach Rother benannt, die Namensgebung war jedoch umstritten. Seit 1. Januar 2016 heißt sie wieder Staatliche Realschule Kitzingen.

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Rother war seit 1934 Mitglied der Künstlervereinigung Hetzfelder Flößerzunft. Zu seinem 90. Geburtstag erhielt er als „Riro“ den Ehrentitel „Altflößer“.

Genre[Bearbeiten]

Er fertigte zahlreiche Plastiken; seine Stein- und Bronzefiguren finden sich ebenso in Würzburg wie in Gemeinden der Region. Bekannt sind in ganz Franken vor allem seine Holzschnitte. [1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Einige seiner Werke im öffentlichen Raum:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Pressespiegel[Bearbeiten]

  • Heinz Otremba: „Richard Rother zum Gedenken“. Nachruf in: Würzburg heute 30/1980 S. 120 f.
  • Bruno Rottenbach („Eggehardus“): „Bildhauer, Holzschnitzer und Poet. Richard Rother zum 85. Geburtstag“. In: Würzburg heute 19/1975 S. 68 f.
  • Otto Schmitt: „Wohlwollen war immer im Spiel“. Werkstattgespräch mit Richard Rother. In: Würzburg heute 14/1972 S. 64 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. In mehreren Bänden veröffentlicht: Richard Rother und sein Werk, hrsg. von Heinz Otremba