Stadtansichten

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Holzschnitt von Herbipolis (Würzburg) von 1493 aus der Schedel'schen Weltchronik

Der Begriff Stadtansichten bezeichnet hier grafische Darstellungen als Abbildungen einer gesamten Stadt oder eines größeren Teils des Stadtgebietes. Als Kunstgattung war die Stadtansicht insbesondere vor der Entwicklung der Photographie gebräuchlich. Nach dem italienischen Begriff wird sie auch als Vedute bezeichnet. Meist verfolgten die Künstler das Ziel einer möglichst wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe der jeweiligen Stadt, wie sie sich zum erfassten Datum präsentierte. Daneben bot die künstlerische Umsetzung aber auch Möglichkeiten zur Idealisierung einer Stadt oder zur Hervorhebung bestimmter Gebäude und Areale.

Historische Ansichten der Stadt Würzburg[Bearbeiten]

Schedel'sche Weltchronik 1493[Bearbeiten]

Die älteste bildliche Darstellung der Stadt Würzburg findet sich in der Schedel'schen Weltchronik (siehe Abbildung rechts oben). Die Chronik wurde von Hartmann Schedel aus Nürnberg im Jahr 1493 publiziert. Den Holzschnitt „Herbipolis“ bzw. „Wurtzburg“ entwarf und fertigte Michael Wolgemut oder Wilhelm Pleydenwurff.

Sebastian Münster 1548[Bearbeiten]

Herbipolis Wirtzpurg (Holzschnitt von 1548) - aus der Cosmographia universalis von Sebastian Münster

Herbipolis Wirtzpurg ist der Titel eines Holzschnitts von Sebastian Münster aus dem Jahr 1548. Es ist die zweitälteste bekannte Stadtansicht und gleichzeitig die erste Darstellung der Stadt aus der Vogelperspektive. Die Abbildung gilt damit auch als ältester Stadtplan Würzburgs. Der Blick geht von Osten auf die ummauerte Altstadt, den Main und die Festung. Erschienen ist die Darstellung in der Kosmographie von Münster. Als Grundlage wird eine Zeichnung des Würzburger Malers Martin Seger vermutet. Holzschneider war Hans Rudolph Manuel genannt Deutsch.

Weitere Verwendung: 1572 bis 1618 erschien Civitates orbis terrarum bei Georg Braun, Franz Hogenberg. Darin die Stadtansicht Würtzburg auf der Grundlage von Münsters Cosmographia (S. 100, urspr. Tav. 37). Zentral im Bild der Stadtplan der Altstadt, darüber in Ansicht das Mainviertel und die Festung Marienberg.

Frieschronik 1580/82[Bearbeiten]

Die Bischofschronik von Lorenz Fries umfasst neben der bildhaften Darstellung von historischen Ereignissen auch Ansichten der Stadt Würzburg:

  • Stadt Würzburg um 1580 gesehen von Südwesten. Aquarellierte Federzeichnung 21,5 x 9 cm. Zeichnung vermutlich von Martin Seger. Das Bild zeigt die rechtsmainische ummauerte Stadt, die Mainbrücke mit den Brückentoren und die Festung. Letztere ist jedoch gedreht dargestellt (zeigt die östlich liegende Gebäudefront).
  • Festung und Mainviertel, 1582, Zeichnung von Georg Mack. Zu sehen ist das Mainviertel (vom gegenüberliegenden Ufer betrachtet) von der Burkarder Kirche bis etwa zur Deutschhauskirche. Dahinter erhebt sich die durch einen Palisadenzaun gesicherte Festung auf dem Marienberg.

Merians Stadtansicht 1648[Bearbeiten]

Merians Stadtansicht „Herbipolis. Würtzburg“, den Kupferstich fertigte Matthäus Merian der Ältere nach einer Zeichnung von Wenzel Hollar 1631/32. Es handelt sich dabei um die erste Gesamtansicht der Stadt von Norden und gleichzeitig um die letzte bedeutende Ansicht vor dem Umbau zur barocken sternförmigen Stadtbefestigung. Links und mittig im Bild die ummauerte rechtsmainische Stadt, im rechten Bilddrittel der Main mit der Alten Brücke sowie der Marienberg mit dem Mainviertel. Die Kirchenbauten wurden besonders hervorgehoben.

Medaille von 1706[Bearbeiten]

Eine Medaille aus dem Jahr 1706 zeigt eine Stadtansicht von Norden. Hier ist bereits die sternförmige Befestigung zu erkennen.[1]

Martin Engelbrecht um 1720[Bearbeiten]

Herbipolis. Würtzburg (Würzburg-Ansicht von Norden, ebenfalls mit sternförmiger Befestigung) - Sammlung Walter Michael Brod [2]

Balthasar Neumann 1723[Bearbeiten]

Kupferstich von Johann Salver

"Accurate Vorstellung der Hochfürstl. Bischöfl. Residenz und Haupt-Stadt Würzburg" (1723). Ein kolorierter Kupferstich von Johann Salver nach einer Zeichnung von Balthasar Neumann. Veröffentlich wurde er bei Johann Baptist Homann, Nürnberg. Das Vogelschaubild zeigt als erste Stadtansicht die komplette barocke Befestigungsanlage um die rechts- und linksmainische Stadt. Wobei zur Zeit der Entstehung des Werks die Ummauerung noch nicht abgeschlossen war. Es handelt sich daher um die „Vorstellung“, die Neumann von seinem fertigen städtebaulichen Vorhaben hatte.

Franz Leinecker 1845[Bearbeiten]

Das Mainviertel von Würzburg und dessen Umgebung. Lithographie (Sammlung Brod) [3]

Wilhelm Schöner 1852[Bearbeiten]

Ansicht von der Festung [4], Lithographie von Wilhelm Schöner aus dem Jahr 1852. Panoramaansicht der Stadt mit dem Maintal von der Festung aus betrachtet. Links beginnend mit dem Schottenanger, rechts ist im Hintergrund noch Heidingsfeld zu erkennen. Im Vordergrund das Burkarder Viertel mit der Kirche St. Burkard, dem Ägyptischen Bau und dem Umlaufkanal. Am Main die Brücke mit den Heiligenfiguren und das Streichwehr. Im Bereich der rechtsmainischen Stadt fällt insbesondere die Alte Infanterie–Kaserne ins Auge. Auch ist die umlaufende Pappelallee auf den Wällen zu erkennen.

Gustav Frank um 1858[Bearbeiten]

Ansicht vom Letzten Hieb [5], kolorierte Lithographie von Gustav Frank. Standort des Künstlers war die Ausflugsgaststätte „Zum Letzten Hieb“ an der Rottendorfer Straße. Den Bildvordergrund beleben einige zechende Studenten im Garten des Lokals. Der Blick geht über die Altstadt in das nordwestliche Maintal. Ganz links ist noch das Käppele zu erkennen, rechts schließt das Bild mit Stift Haug ab. Eine Pappelallee zeigt den Verlauf der Stadtmauer an (heutiger Ringpark). Die Türme der Stadtkrone nehmen den Bildmittelpunkt ein.

Gustav Frank um 1860[Bearbeiten]

Blick vom Steinberg über die rechts- und linksmainische Stadt bis ins südliche Maintal. Getönte Lithographie von Gustav Frank um 1860 [6]. Im Vordergrund der Abhang des Steinbergs und im Tal die 1854 eröffnete Bahnlinie, dahinter sind Teile der Befestigungsanlagen sichtbar. Links beginnt die Darstellung mit der Residenz und Stift Haug, rechts ist gerade noch die Schottenkirche sichtbar. Dominant ist in der Bildmitte das Hauptgebäude des Juliusspitals.

Rekonstruktionen[Bearbeiten]

Franz Seberich erstellte rekonstruierte Ansichten des Stadtgebiets für die Jahre 1550 und 1750. Sie zeigen in Vogelschauperspektive den Blick von Norden auf die Stadt und das Maintal[7]. Beide Werke befinden sich im Besitz des Mainfränkischen Museums.

Moderne Stadtansichten[Bearbeiten]

Durch die Entwicklung der Fototechnik können heute Panoramafotografien als neue Form der Stadtansicht angesehen werden. Dies sind unmittelbare Abbilder der Stadt, enthalten aber durch die Auswahl des Standorts und der Blickrichtung auch immer eine subjektive Aussage des Photographen. Darüber hinaus sind auch die dreidimensionalen Stadtmodelle zu nennen, welche seit einigen Jahrzehnten vermehrt zum Einsatz kommen. Sie können einen besonders anschaulichen Blick auf und in das Stadtgebiet vermitteln.

Aus der historischen Form der Stadtansicht aus der Vogelperspektive entwickelten sich u.a. die heute gebräuchlichen Stadtpläne.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gesamtansichten und Pläne der Stadt Würzburg 15.-19. Jahrhundert. Hrsg.; Mainfränkisches Museum Würzburg, Bearbeitung Rudolf Feurer und Petra Maidt. Kataloge des Mainfränkischen Museums. Band 3. ISBN 3-932461-05-3
  • Gottfried Mälzer: Alt-Würzburg einst und jetzt. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1995. (mit Abbildung und Beschreibung zahlreicher Stadtansichten).
  • Walter M. Brod und Gottfried Mälzer: Würzburg. Bilder einer alten Stadt. Druckgraphik aus der Sammlung Brod in der Universitätsbibliothek Würzburg. Echter, Würzburg 1987.
  • Klaus-Peter Kelber und Martin Okrusch: Würzburger Steinbrüche. Mainfränkische Hefte 105/2006. ISBN 3-9800538-3-0 (CD-Beilage mit zahlreichen historischen Plänen der Stadt Würzburg).
  • Georg Braun, Franz Hogenberg: Civitates orbis terrarum. 363 Kupferstiche mit 564 Stadtansichten. Neu herausgegeben und kommentiert von Stephan Füssel und Rem Koolhaas, nach einem Original des Historischen Museums Frankfurt. Das Original erschien von 1572 bis 1618. Taschen, 520 Seiten. ISBN 978-3-8365-1125-4 (Würzburg in diesem Werk)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inventar des Fürstenbaumuseums
  2. 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 333-339, S. 332
  3. 15 Jahrhunderte Würzburg. Hrsg. von Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 228 f. (Abb.); vergleiche auch Festschrift Walter M. Brod#Kunst und Kunsthistorisches
  4. Gottfried Mälzer: Alt-Würzburg einst und jetzt. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1995. S. 76
  5. Gottfried Mälzer: Alt-Würzburg einst und jetzt. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1995. S. 78
  6. Gottfried Mälzer: Alt-Würzburg einst und jetzt. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1995. S. 82
  7. Stadtbild Würzburg. Eine Analyse zur Stadtsanierung. Hrsg: Stadt Würzburg, Baureferat, 1997