Marienkapelle
Die Marienkapelle ist ein gotischer Kirchenbau auf der Nordseite des Marktplatzes. Sie gilt als Höhepunkt spätgotischer Baukunst in Unterfranken und ist der Nachfolgebau einer Synagoge.
Da keine Pfarrei vorhanden ist, gilt die Kirche nach katholischem Kirchenrecht nur als Kapelle.
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[Bearbeiten] Geschichte
Am heutigen Standort der Marienkapelle und des Marktplatzes befand sich im 14. Jahrhundert noch ein morastiges Gebiet, das den Juden der Stadt als Wohngebiet überlassen war. Nachdem Würzburg im Jahr 1347 stark von der Pest betroffen war, schrieb man den Juden die Schuld an der Krankheit zu. Es kam zu einer so verheerende Judenverfolgung, dass diese sich teils selbst in ihren Häusern verbrannten. Auch die Synagoge wurde zerstört. An ihrer Stelle errichtete man zunächst eine hölzerne Kapelle zu Ehren Mariens. Vom jüdischen Gebetshaus blieb lediglich die Mikwe erhalten, die sich unter der heutigen Sakristei befindet.
1377 begann unter der Regierung des Bischofs Gerhard von Schwarzburg (1372-1400) der Bau der jetzigen Marienkapelle mit der Grundsteinlegung des Chores. Der Altarraum wurde 1392 eingeweiht. Die Stadt führt den Bau der Kirche weiter, das Langhaus konnte 1441 vollendet werden. 1479 war schließlich auch der Turm des gotischen Gotteshauses fertiggestellt. Die Baumeister waren Meister Weltz, Eberhard Friedeberger, Leonhard Strohmaier und Hans von Königshofen.
1493 wurden die berühmten Figuren "Adam" und "Eva" von Tilman Riemenschneider fertiggestellt und am Südportal angebracht (seit 1975 sind an der Kirche Kopien zu sehen, die Originale befinden sich im Mainfränkischen Museum).
Im 18. Jahrhundert wurde, unter der Regierung des Bischofs Johann Philipp von Greiffenclau (reg. 1699-1719) eine größere Baumaßnahme durchgeführt. Der durch einen Blitzschlag geschädigte Turm erhielt 1713 eine barocke kupfergedeckte Turmhaube nach Plänen von Joseph Greising. Als Abschluß dieser Turmhaube wurde eine nach Entwurf des Jakob van der Auvera geschaffene kupfervergoldete Maria-Immaculata-Figur mit doppelter Schauseite aufgesetzt.
1856 erfolgte eine Außenrenovierung. Da die barocke Turmhaube als Stilbruch empfunden wurde und wenig gefiel wurde der Turm wieder mit einer gotischen Spitze (nach Vorbild des Kirchturmes in Esslingen/Neckar) versehen.
Beim Luftangriff auf Würzburg 1945 erlitt die Marienkapelle starke Schäden. Dach, Fenster und Inneneinrichtung waren zerstört, die Mauern beschädigt, der Turm jedoch stand noch. Die wieder errichtete Kirche wurde 1962 von Bischof Joseph Stangl (1957-1979) eingeweiht.
[Bearbeiten] Aussenbau
An den unter einen Dache mit der Kirche liegenden langgezogenen Ost-Chor fügt sich der dreischiffige Bau mit den Mittel- und der Seitenschiffen an.
Der im Westen stehende Turm, welcher zwischen 1441 und 1460 durch Eberhard Friedeberger aus Frankfurt errichtet wurde, erhielt im 19. Jahrhundert nach dem Muster der Frauenkirche zu Esslingen den durchbrochenen Helm mit Maßwerkgalerie. Die Westfassade wurde mit einer neugotischen Fensterrosette bereichert.
Der Seitenturm zwischen Chor und Langhaus trägt den Namen Cyriakus-Turm. Darin hängt die Cyriakus-Glocke, welche von Cyriakus Abele gestiftet und 1989 geweiht wurde.
Die drei Portale mit den Tympanon entstanden im 15. Jahrhundert und zeigen im Nordportal: Maria bei der Menschwerdung Gottes, ihre Aufnahme und Verherrlichung im Himmel sowie als Fürbitterin beim Jüngsten Gericht.
Das Tympanon im Westportal zeigt das Weltgericht mit Christus als Richter auf dem Regenbogen. Eine um 1430 entstandene, hier in Kopie ersetzte Muttergottes-Statue, schmückt den Mittelpfeiler des Portals.
Das Südportal zeigt im Tympanon die Krönung Mariens. Rechts und links die unter Baldachinen stehenden Figuren von Adam und Eva. Arbeiten von Tilman Riemenschneider die dieser ab 1490 schuf. Die Originalfiguren befinden sich, seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, im Mainfränkischen Museum auf der Veste Marienberg.
[Bearbeiten] Inneres
Der Innenraum ist dreischiffig, die Seitenschiffe werden von Kreuzrippengewölben überspannt das des Hauptschiffes mit einem Netzgewölbe.
Die Barockeinrichtung der Kapelle wurde in der Zeit der Neugotik - 1856 - entfernt und durch neugotische Einrichtungsgegenstände ersetzt. Diese letzte Einrichtung wurde 1945 durch das Bombardement auf Würzburg vernichtet.
Die nunmehrige Einrichtung ist im modernen Stil gehalten. Die Figuren auf den Konsolen stellen Arbeiten zeitgenössischer Künstler, die durch die Bürgerschaft, Firmen und Verbände gestiftet wurden, dar.
Aus der Vorkriegszeit ist das Relief mit Christus am Astkreuz erwähnenswert; ein Sandsteinrelief aus der Zeit um 1400, das in der südlichen Außenwand eingelassen ist. Es zeigt den „Tod Mariens“.
Von den ursprünglich 30 Grabdenkmäler haben sich nur wenige erhalten.
An Balthasar Neumann, der in diesem Gotteshaus bestattet wurde, erinnert eine Gedenplakette an einer Säule.
[Bearbeiten] Kirchenläden
Um die Kirchenmauer herum befinden sich von Anfang an kleine Läden, die der Kirche Mieteinnahmen bringen.
[Bearbeiten] Veranstaltungen
Am dritten Advent findet hier jährlich die Friedenslicht-Aussendungsfeier statt.
- Nagelkreuzzentrum - Friedensgebete
[Bearbeiten] Literatur
- G. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Band 1 "Mitteldeutschland"; Tübingen 1924