Dom St. Kilian

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Die Frontansicht des Doms

Der Dom St. Kilian, oft auch Kiliansdom, ist eine römisch-katholische Kirche in der Altstadt. Sie ist dem Heiligen Kilian geweiht. Der Dom ist die Bischofskirche des Bistums Würzburg (bis 1803: Fürstbistum). Er wurde in den Jahrzehnten nach 1040 errichtet und nach massiven Kriegsschäden seit 1945 wieder renoviert. Mit einer Gesamtlänge von 105 Metern ist er das viertgrößte romanische Kirchengebäude Deutschlands und zählt zu den eindrucksvollen Monumenten der Salier-Zeit.

Patron[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Zeit Ereignis
etwa 750 Bischof Burkard wählte die bestehende Marienkirche zur vorläufigen Kathedralkirche.
787/788 Bischof Berowelf weihte den ersten Dom an der Stelle des heutigen Neumünsters auf den Namen „Christus Salvator“. In der damaligen Zeit zählte dieser Bau zu den größten Kirchenbauten.
5. Juni 855 Der Dom brannte nach einem Blitzschlag nieder. Die Mauern stürzten Tage später nach einem Unwetter ein. Bischof Arn ließ daraufhin einen dreischiffigen Dom bauen.
918 brannte der Arn’sche Dom ab.
1040 begann unter Bischof Bruno der Neubau. Sein Plan ist vom Dom in Speyer inspiriert.
16. Juni 1045 Weihe der Krypta durch Erzbischof Bardo von Mainz
1075 wurde der Bau unter Bischof Adalbero abgeschlossen.
1133 Bischof Embricho ließ den Bau von Baumeister Enzelin erneuern und umbauen. Die Westtürme wurden erhöht und der Chor umgestaltet.
1187/1188 Unter Bischof Gottfried von Spitzenberg wurden zum Abschluss der Erneuerungsarbeiten drei Altare geweiht.
1255 Umbaumaßnahmen an der Ostseite (Chor) und Vollendung der Osttürme unter Bischof Hermann von Lobdeburg
1500 begann die Umgestaltung der Seitenschiffe. Erneuerungen von Teilen in spätgotischem Stil.
um 1600 Umgestaltung des Innenraumes (figuraler Schmuck, neue Gemälde)
1610 wurde die im Auftrag und auf Kosten des Stadtrats die Kanzel aufgestellt. Die Bildwerke schuf Michael Kern, die Steinmetzarbeiten Jobst Pfaff aus Sandstein.
1617 erhielt der Dom seine erste Kirchenorgel, erbaut von Jakob Niehoff aus Köln.
1701 Unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau begannen die Umbaumaßnahmen im barocken Stil. Die Ausstuckierung durch Pietro Magno erfolgte bis 1703.
1724 - 1736 Schönbornkapelle und Sakristei wurden gebaut.
um 1750 wurde durch Planung Balthasar Neumanns der Klerikerchor abgesenkt.
1879 - 1895 wurde die Westfront durch Friedrich Friedreich [1] neuromanisch umgestaltet.
16. März 1945 Ein Großteil des Doms wurde bei der Bombardierung Würzburgs zerstört. Nur Vierung, Querschiff und Chorraum blieben erhalten.
18. Februar 1946 Errichtung eines Notdachs: Eindeckung mit Schalung und Dachpappe größtenteils fertiggestellt. [2]
20. Februar 1946 Einsturz der nördlichen Langhauswand samt nördlicher Pfeilerreihe. Auch das Notdach stürzte dabei mit ein. [2] [3]
1945 - 1960 Bergung erhaltener Kunstwerke, Sicherung der Bausubstanz und Wiederherstellung der Außenmauern. In dieser Zeit erfolgte die Verblendung der neoromanischen Westfassade mit Bimssteinen.
1963 - 1972 Albert Paul Schilling begann mit der Ausführung seiner Arbeiten für die liturgische Ausstattung des Doms, ein Auftrag, an dem er bis 1972 arbeitete und der als eines seiner Hauptwerke angesehen werden muss.
1967 Beendigung des Wiederaufbaus mit Altarweihe am 6. Mai (Konsekration des Hochaltares und der vier Nebenaltäre). Es entstand, durch die Wiederherstellung, welche in diesen Jahr abgeschlossen wurde, eine gelungene, wenn auch umstrittene Kombination von größtenteils romanischen, modernen und barocken Elementen.
1971 - 1975 tagte im Dom die Würzburger Synode. Kardinal Döpfner wollte hier die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils für Deutschland umsetzen.
1987 erfolgte die Umgestaltung des Chorraums durch Hubert Elsässer.
2006 Renovierung der Außenfassade. Freilegung der neoromanische Westfassade mit Fensterrose, dreigliedriger Galerie und Uhrenöffnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit Bimsstein verblendet wurden. Der Dom erhielt auch einen helleren Anstrich.
2008 erklangen am Fronleichnamstag erstmals, nach Einbau eines Zimbelgeläutes mit acht kleinen Glocken sowie drei weiterer Glocken das größte Kirchengeläute Deutschlands mit 20 Glocken.
25. Juli 2011 - 2. Dezember 2012 Wegen Renovierung des Innenraums blieb der Dom für über ein Jahr geschlossen.

Besucherinformation[Bearbeiten]

Mitarbeiter der Besucherinformation stehen täglich zwischen 10 und 17 Uhr im Eingangsbereich des Doms als Ansprechpartner zur Verfügung.

Gottesdienste[Bearbeiten]

Die allgemeinen und aktuellen Gottesdienstzeiten können auf der Homepage des Doms eingesehen werden: [1]

Führungen[Bearbeiten]

Aktuelle Informationen zu den Domführungen sind hier abrufbar.

Führungen für Einzelgäste

In der Zeit von Dienstag nach Ostern bis einschließlich 1. November bietet der Domführungsdienst von Montag bis Sonntag um 12.30 Uhr eine öffentliche Domführung für Einzelbesucher an. Tickets (Teilnehmergebühr € 4,-) sind jeweils am Tag der Führung in der Dom-Info (auf dem Domvorplatz) erhältlich; an Sonn- und Feiertagen erhalten die Besucher das Ticket direkt beim Domführer. Treffpunkt und Start der Führung ist dann der siebenarmige Leuchter im Dom.

Führungen für Gruppen

Außerhalb der Gottesdienstzeiten sind auch individuelle Gruppenführungen buchbar. Interessierte Gruppen (gerne auch Schulklassen, Kommunion- oder Firmgruppen, Konfirmanden, Jugendgruppen, Ministranten...) wenden sich mit ihren Terminwünschen bitte an die Dom-Info (Montag - Samstag 9.30 bis 17.30 Uhr, Telefon: 0931 - 386-62900).

Taufbecken[Bearbeiten]

Das Taufbecken im Mittelgang des Kiliansdoms wurde 1279 von Meister Eckard aus Worm im Auftrag des Dompfarrers Walther aus Bronze gegossen. Am oberen Rand läuft eine lateinische Inschrift um das runde Becken, die lautet:

„Im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1279, unter der Herrschaft des römischen Königs Rudolf in seinem sechsten Jahr und unter Bertold von Stanberg, dem Bischof dieser Kirche, in seinem fünften Pontifikatsjahr angefertigt auf Veranlassung des Pfarrers Walther, seines Kaplans.“

Durch architektonische Elemente gegliedert zeigt das Taufbecken acht Szenen des Lebens und Wirkens Jesu: Verkündigung, Geburt, Taufe im Jordan, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten und Jüngestes Gericht.

Kanzel[Bearbeiten]

Die Kanzel entstand 1609/1610 im Auftrag und auf Kosten des Magistrats der Stadt Würzburg. Die alabasternen, kunstreich gearbeiteten Figuren und Reliefs sowie das Schnitzwerk sind von Michael Kern, der Steinmetz Jobst Pfaff fertigte das Gesprenge der Treppe, der Stadtschlosser Karl Braun die schmiedeiserne Kanzeltüre und der Stadtschreiner Konrad Vischer den Schalldeckel. Das ganze Werk war im Jahre 1610 vom Maler Michael Häußler teils bemalt, teils vergoldet.

Der hölzerner Schalldeckel ist im Krieg verbrannt und wurde 1985 rekonstruiert. Der Kanzelkorb blieb erhalten. Auf den Spangen des Fußes sitzen die vier Evangelisten mit ihren Symbolgestalten: Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. [4] Zwischen ihnen stehen um den Schaft die Kirchenväter Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Gregor. Die Bilder am Kanzelkorb zeigen die Leidensgeschichte Jesu vom Ölberg bis zur Grablegung.

Steigt man die Kanzeltreppe hinauf, begegnet man den Tugenden eines großen Redners: der Glaube mit Kelch und Kreuz, die Hoffnung mit Taube und Anker, die Stärke mit dem Schwert, die Weisheit mit Spiegel und Schlange. Die fünf Figuren auf dem Schalldeckel sind Engel mit den Leidenswerkzeugen Christi.

Glocken[Bearbeiten]

Domglocken

Der Dom verfügt über 12 große Glocken, seit 2008 ergänzt um das Zimbelgeläut. Die 20 Glocken mit einem Gesamtgewicht von etwa 26 Tonnen können computergesteuert 40 verschiedene Läutmelodien zu verschiedenen liturgischen Anlässen spielen (beispielsweise ein ein düsteres Motiv mit Mollcharakter in der Fastenzeit oder ein strahlendes Motiv zur Osterzeit) und bilden eines der größten Kirchengeläute in Deutschland. Sie teilen sich ausschließlich auf die beiden der Domstraße zugewandten 62 Meter hohen Westtürme auf, die 63,5 Meter hohen Osttürme haben kein Geläut. Die Glockenstühle sind in Stahl ausgeführt und lagern auf mächtigen Eichenbohlen.

Die größte der Glocken ist die 9,08 Tonnen schwere Salvatorglocke. Sie hat einen Durchmesser von 2,30 Metern, eine Höhe von 2,40 Metern und trägt als einzige Domglocke eine Inschrift: JESV CHRISTE – SALVATOR MVNDI VENI CVM PACE – ANNO DOMINI MCMLXV (Jesus Christus – Retter der Welt, komm mit Frieden – Im Jahre des Herrn 1965). [5]

Die älteste Glocke ist die Lobdeburgglocke aus dem Jahr 1257. Sie wurde vom Domkapitel gestiftet, hat einen Durchmesser von 127 cm, eine Höhe von 170 cm und wiegt 1386 kg. Gegossen wurde sie von dem Würzburger Cunradus Citewar. [6] Ihr Schlagton ist es1. Sie hängt im Südwestturm der Kirche. Nach der Katharinenglocke in St. Burkard ist sie die zweitälteste Kirchenglocke der Stadt. [7]

Die Lobdeburg-Glocke hat als einzige Domglocke die Bombenangriffe von 1945 überstanden, weil sie 1933 aus dem Turm genommen und in die Sepultur des Doms gebracht wurde. [6] Fast alle anderen Glocken sind damals geschmolzen. 1965 wurden neue Glocken für die Bischofskirche gegossen. [5]

Unter den zerstörten Glocken befand sich auch die älteste Glocke Deutschlands: die 1220 installierte Heinle-Glocke. Sie musste durch den Fürstbischof bei der Beerdigung seines Vorgängers drei Mal geläutet werden. Heinle (Gevatter Hein = alter Name für den personifizierten Tod) sollte dadurch den neuen Amtsträger an seine eigene Sterblichkeit erinnern.

Im Jahr 1484 befanden sich im Dom insgesamt 13 Glocken mit folgenden Namen: Margel, Brennkatze, Pfarrerin, Betglocke, Benedikta, Weinglocke, Uhrglocke, Hähnlein (Heinle), Schelle (2x), Chorglocke, Vierte, Standauf. [8]


Bildergalerie Außenansichten[Bearbeiten]

Bildergalerie Innenansichten[Bearbeiten]

Vor der Renovierung von 2011/2012
Nach der Renovierung von 2011/2012

Bildergalerie Sepultur[Bearbeiten]

Nach der Renovierung von 2011/2012

Krypta[Bearbeiten]

In der zweiten Bauphase von 855 bis 892 entstanden unter Bischof Arno der Chor mit der darunter liegenden Krypta. Besonderheit: ein Ziehbrunnen.

Bildergalerie Krypta[Bearbeiten]

(Nach der Renovierung von 2011/2012)

Bildergalerie Gedenktafeln, Denkmale, Grabplatten, Grabmale und Epitaphien[Bearbeiten]

(Nach der Renovierung von 2011/2012)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexandra Eck, Katharina Kindermann, Joachim Schroeter: Der Kiliansdom zu Würzburg. Ein Kirchenführer für Jung und Alt. Echter-Verlag, Würzburg 2015, ISBN 978-3-429-03833-5
  • Heinz Geist u. a.: Sakrament des Weges. Fastenpredigten im Kiliansdom zum Eucharistischen Jahr, Diözese, Würzburg 2005
  • Paul-Werner Scheele: „Ein Herr - ein Glaube - eine Taufe“. Das mittelalterliche Taufbecken im Würzburger Dom als Glaubenszeugnis. Würzburg 1995, 100 S.
  • Hanswernfried Muth: Der Dom zu Würzburg, Echter-Verlag, Würzburg 1968, 71 S.
  • Franz Xaver Himmelstein: Der St.-Kilians-Dom zu Würzburg: ein Wegweiser für Einheimische und Fremde zum Verständniß der Monumente und Merkwürdigkeiten des Würzburger Doms. Verlag Bonitas-Bauer, Würzburg 1850 (Digitalisat Bay. Staatsbibliothek)
  • Johannes Sander und Wolfgang Weiß (Hrsg.): „Der Würzburger Dom im Mittelalter: Geschichte und Gestalt - „Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg“, Echter-Verlag, Würzburg 2017, ISBN 978-3429044329.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Hinweise und Erklärungen[Bearbeiten]

  1. Josef Kern: Die Bildende Kunst abseits der Zentren, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 247-316, S. 268
  2. 2,0 2,1 Hans Oppelt: Würzburger Chronik des Wiederaufbaus 1945-75. S. 250
  3. Main-Post: „20. Februar 1946: Die Katastrophe danach“ (20. Februar 2016)
  4. 4,0 4,1 Symbole der Evangelisten: Auf vielen Bildern werden die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen dargestellt: Matthäus mit einem Menschen oder Engel, Markus mit einem Löwen, Lukas mit einem Stier, Johannes mit einem Adler. Diese vier Bilder sind der Offenbarung des Johannes (4, 6) entnommen, wo es in einer Vision des Gottesthrones heisst: „Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.“ Auch die Darstellung der vier Wesen mit Flügeln ist dieser Bibelstelle entnommen. Der Kirchenlehrer Hieronymus (347 bis 419) ordnete die vier Lebewesen den einzelnen Evangelisten zu, indem er auf die Anfänge ihrer Evangelien verwies: Matthäus beginnt mit dem Stammbaum und der Menschwerdung Jesu, daher der Mensch. Markus stellt an den Anfang seines Textes die Bußpredigt des Johannes, der wie ein Löwe seine Stimme in der Wüste erschallen lässt. Lukas berichtet zuerst vom Opferdienst des Priesters Zacharias, so dass der Stier als Opfertier zu seinem Attribut wurde. Und Johannes schließlich beginnt mit dem Prolog über das Wort Gottes und schwingt sich in einer Art „geistigem Höhenflug“ wie der Adler in Höhen, die die anderen nicht erreichen. Außer dieser Zuordnung zu den Evangelisten symbolisieren alle vier Wesen in der gemeinsamen Darstellung Jesus Christus selbst, dessen vier wichtigste Heilstaten in den Evangelientexten bezeugt werden: Der Mensch ist Abbild der Menschwerdung, der Stier bedeutet seinen Opfertod, der Löwe die Auferstehung und der Adler seine Himmelfahrt. (Quelle: Würzburger Katholisches Sonntagsblatt)
  5. 5,0 5,1 Information auf dom-wuerzburg.de
  6. 6,0 6,1 Pfarrei Dom-St. Kilian: Süßer Klang – nicht nur an Weihnachten (14.12.2006)
  7. Peter Moser: Würzburg. Geschichte einer Stadt. Babenberg Verlag, Bamberg 1999. ISBN 3-933469-03-1
  8. Peter Moser: Würzburg. Geschichte einer Stadt. Babenberg Verlag, Bamberg 1999. ISBN 3-933469-03-1, S. 98

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